• Rebecca Berg: Aus Zufall wurde Liebe

Nach einer Autopanne verirrt sich Lisa in eine Rockkneipe und lernt die Motorradbraut Joe kennen. Eine lockere Beziehung entsteht, doch während sich Lisa verliebt hat, bleibt Joe cool und trifft sich wieder mit ihrer Ex. Lisa erträgt das nicht und flüchtet nach Sardinien. Für wen wird sich Joe jetzt entscheiden?

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Leseprobe:

Eckdaten
Format Taschenbuch
Seiten 56
Leseprobe

Gewissenhaft zog Lisa die Tür der fremden Wohnung ins Schloss und lief dann rasch die Stufen des Treppenhauses hinab. Dabei entfuhr ihr ein tiefer Seufzer. Nach dieser göttlichen Nacht war sie noch nicht ganz in der Realität angekommen. Sie sprang in ihr gelbes Cabrio, das in der Einfahrt direkt vor dem Haus parkte, und schloss einen Augenblick die Augen. Ungläubig schüttelte sie den Kopf und überlegte, ob alles womöglich nur ein Traum gewesen sein könnte.

Aber zwischen den Beinen fühlte sie noch immer ein angenehmes Puckern. Das war der Beweis, dass sie nicht geträumt hatte. Sie stöhnte erneut leise auf und fuhr schließlich mit quietschenden Reifen los, als seien es ihre überschwänglichen Empfindungen, die den Wagen antrieben.

Es war eigentlich überhaupt nicht ihre Art, sich Hals über Kopf verführen zu lassen. Sie war auch keine von den Frauen, die sich leichtfertig auf ein Abenteuer einlassen würden. Eigentlich.

Doch dieses eine Mal war es anders gekommen. Dem Charme dieser rätselhaften Frau, von der sie fast gar nichts wusste, hatte sie sich einfach nicht entziehen können.

Schon jetzt, nach einer einzigen, sinnlichen Nacht, hatte Lisa die leise Befürchtung, der verführerischen Fremden verfallen zu sein. Blieb zu hoffen, dass diese Geschichte gut ausgehen und es ihr erspart bleiben würde, schon bald tränenüberströmt, enttäuscht und hoffnungslos bei ihrer Psychologin auf der Couch zu liegen. Davon hatte Lisa nämlich genug.

Sie schob die negativen Gedanken beiseite und ließ stattdessen die letzte Nacht noch einmal Revue passieren, was sie unweigerlich in einen fast tranceartigen Zustand versetzte. Hinter ihr hupte jemand, der es eilig hatte. Erschrocken fuhr Lisa zusammen. Die Ampel stand auf Grün. Hastig trat sie aufs Gaspedal.

Als sie zwanzig Minuten später, ohne einen Unfall verursacht zu haben, in der Tiefgarage ihrer Bankfiliale den Motor abstellte, hatte sie sich wieder einigermaßen gefasst. Nur hin und wieder stieg ihr ein Schwall des schweren, herben Parfums in die Nase, das die fremde Frau auf ihrer Haut hinterlassen hatte, und dann stahl sich ein verträumtes Lächeln auf ihr Gesicht. Doch sie riss sich zusammen, richtete ihre blonden Locken und stieg schwungvoll in den Fahrstuhl. So sinnlich wie heute hatte sie sich schon eine Ewigkeit nicht mehr gefühlt. Sie lebte, sie atmete und sie liebte wieder. Erst jetzt wurde ihr bewusst, was sie all die Monate vermisst hatte.

Obwohl sie ungewöhnlich spät dran war, wurde sie wie jeden Morgen von allen Kollegen freundlich begrüßt. Zum Glück ahnte niemand, wie und mit wem Lisa die letzte Nacht verbracht hatte.

Es war ein Tag wie jeder andere, doch er zog sich wie ein zäher Kaugummi dahin und wollte einfach nicht vergehen. Minuten wurden zu Stunden, und so oft Lisa auch auf ihr Handy starrte, es blieb stumm. Mist, warum rief sie nicht an? Warum schrieb sie keine einzige kleine Nachricht?

Joe . . . Lisa ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen und lächelte zufrieden.

Als es endlich Zeit wurde, Feierabend zu machen, und Joe sich immer noch nicht gemeldet hatte, hielt sie es vor Unruhe schier nicht mehr aus. Sie war zappelig wie ein junges Fohlen. Um nicht durchzudrehen, versuchte sie sich selbst gedanklich runterzubringen: Joe hatte bestimmt viel zu tun und einfach noch keine Zeit gehabt, sie anzurufen. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass Zweifel in ihr aufstiegen und schwer wie Blei auf ihr Herz drückten.

Auf ihrer Lippe kauend saß sie am Lenkrad und schaute minütlich auf ihr Mobiltelefon. Sollte es für Joe vielleicht nur ein einmaliges Abenteuer gewesen sein, dem sie keinerlei Bedeutung schenkte? War sie für Joe schon nach einer Nacht langweilig geworden? Hatte sie gar nur versuchen wollen, Lisa herumzukriegen, und hatte jetzt, nachdem sie bekommen hatte, was sie wollte, kein Interesse mehr? Zu viele Fragen spukten Lisa im Kopf herum, und sie konnte sich kaum noch auf den Verkehr konzentrieren. Zu stark waren die Dämonen der Vergangenheit, die Ängste und die Hoffnungslosigkeit von vor achtzehn Monaten, die plötzlich wieder ihre hässlichen Fratzen zeigten.

Als sie zu Hause angekommen war, ließ sie sich ein warmes Bad ein, um auf andere Gedanken zu kommen. Mit einem wohligen Seufzer ließ sie sich in das heiße Wasser gleiten und wusch sich dann den Geruch der letzten, heißen Nacht von der Haut. Dort überall hatte Joe sie berührt, so, wie sie noch nie vorher im Leben von irgendjemand anderem berührt worden war.

Vom Wohnzimmer hörte sie das Klingeln ihres Telefons. Ihr Herz begann sofort wild zu klopfen. Ob es Joe war? Nur zur Sicherheit hatte sie Joe gleich beide Telefonnummern, von Handy und Festnetz, auf dem Nachttisch hinterlassen. Irrtum also ausgeschlossen.

Der Anrufbeantworter piepste. Lisa hielt den Atem an, um besser hören zu können, ob jemand etwas aufs Band sprach.

»Hallo, hier ist Joe . . . schade, dass du nicht da bist. Ich fahre jetzt ins Anabelles und wollte dich fragen, ob du Lust auf einen Feierabenddrink hast. Komm einfach vorbei, wenn dir langweilig ist. Ciao.«

Lisa jubelte innerlich und lachte über das ganze Gesicht. Dann tauchte sie mit dem ganzen Kopf unter Wasser und verweilte etliche Herzschläge dort, um anschließend prustend und nach Luft schnappend wieder aufzutauchen. Sie freute sich wie ein kleines Kind. Joe hatte sie zu einem Drink eingeladen! Natürlich würde sie ins Anabelles fahren, so viel stand fest. Doch was sollte sie anziehen – und wie sollte sie sich Joe gegenüber verhalten? Sie hatte ja verdammt cool geklungen. Mit beinahe gelangweilter Stimme hatte sie ihr diese Nachricht aufs Band gesprochen. Aber genau so hatte Lisa sie gestern auch kennengelernt, und genau das war so faszinierend an Joe.

Unentschlossen, was sie anziehen sollte, tanzte Lisa vor ihrem Kleiderschrank auf und ab. Momentan fühlte sie sich gar nicht wie eine erwachsene Frau. In Joes Nähe kam sie sich eher wie ein pubertierender Teenager vor, der seinem ersten Date gegenübersteht und von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.


Johanna Herzog, von allen nur Joe genannt, parkte ihre Maschine wie gewohnt auf dem Gehweg und ging in ihren Lederklamotten direkt ins Anabelles, eine urige Kneipe, aus der laute Rockmusik auf die Straße drang. Auch unter der Woche konnte man dort Billard spielen und tanzen, wenn man Lust dazu hatte. Joe war im Anabelles bekannt wie ein bunter Hund, die Kneipe war sozusagen ihr zweites Zuhause. Sie begrüßte die Mädels hinter der Bar mit Küsschen und Umarmung und bestellte sich ein alkoholfreies Weizen.

Während sie auf ihr Bier wartete, schaute sie zur Uhr. Es war halb acht. Ob ihre zuckersüße Bekanntschaft wohl kommen würde? Sie war gestern unter ihren Händen zerflossen wie Honig, und ihre Blicke hatten deutlich verraten, dass sie sehr angetan von Joe war. Joe hatte wenig Zweifel, dass sie sie heute Abend wiedersehen würde.

Sie nahm ihr Weizen in Empfang, reichte Betty ihren Helm über den Tresen und fuhr sich durch das kurze, braune Haar, das sie wie immer wild durcheinander und hochgegelt trug. Lässig öffnete sie ihre Lederjacke und trank einen erfrischenden Schluck. Sie wippte im Takt mit der Musik und sah sich in der Kneipe um. Viele der Anwesenden waren alte Bekannte, und schnell war Joe mal mit der einen, mal mit dem anderen in ein Schwätzchen vertieft, wie immer.

Nur gestern Nacht war es nicht wie immer gewesen. Da hatte sich dieser blonde Unschuldsengel hierher verirrt und unsicher umherschauend an der Bar gestanden. Joe hatte eine Weile beobachtet, wie sie immer wieder nervös auf ihr Handy gestarrt und dabei doch krampfhaft versucht hatte, locker zu wirken, was ihr aber nicht gelang. Joe hatte nicht lange gefackelt. Sie gesellte sich zu ihr, stellte sich vor und fragte, ob sie etwas trinken wolle. Der blonde Engel hatte sich zu einem Aperol-Spritz überreden lassen, und es stellte sich heraus, dass sie mit ihrem Auto liegengeblieben und aus lauter Verzweiflung im Anabelles gelandet war.

Da der Abschleppservice auf sich warten ließ, hatte Joe ihre Hilfe angeboten und ihr versprochen, später nach dem Auto zu sehen. Schließlich waren aus einem Sekt zwei oder drei geworden, und Joe fand schnell heraus, dass Lisa Single war, in einer Bank arbeitete und einsam war. Schließlich setzte Joe alles auf eine Karte und zog Lisa ungefragt auf die Tanzfläche. Sie tanzten zuerst zu Alice Cooper, und als die Musik – nach einem unauffälligen Wink von Joe in Richtung der Mädels an der Bar – langsamer wurde, zog sie Lisa beherzt zu sich heran. Ihre Hände wanderten kühn von Lisas Rücken zu ihrem Hintern. Und als sich Lisa ihr daraufhin geradezu ausgehungert entgegenwarf, drückte Joe ihren Körper an eine der Säulen und küsste sie leidenschaftlich. Es war so einfach, sie mit nach Hause zu nehmen.

Joe grinste breit und schaute auf die Uhr. Zwanzig nach acht. Der blonde Engel ließ ganz schön lange auf sich warten.


Lisa entschied sich für enge Bluejeans und eine flatternde, weiße Bluse, die ihr Dekolleté perfekt betonte. Dazu wählte sie hohe, schwarze Schuhe und einen frechen braunen Lederhut, der sie, wie sie fand, interessant und sexy zugleich wirken ließ. Damit betrat sie gegen halb neun klopfenden Herzens das Anabelles. Die Aufregung und Freude auf ein Wiedersehen mit Joe heizten ihr ganz schön ein. Ihr Gesicht musste glühen. Lisa war froh, dass es im Inneren der Kneipe nicht sehr hell war.

Schüchtern nickte sie den beiden Mädels hinter der Bar zu. Beide hatten gestern Abend das Techtelmechtel zwischen ihr und Joe mitbekommen. Lisa schaute sich suchend nach ihr um.

»Joe spielt Billard«, sagte die eine von beiden und grinste. Irgendwie zweideutig, wie sich Lisa einbildete.

»Danke«, sagte sie, erwiderte das Lächeln und ging in den hinteren Raum, in dem sich ein halbes Dutzend Tische befand. Sie entdeckte Joe sofort. Weit nach vorn gebeugt versenkte sie gerade eine Kugel in die Mitteltasche und erntete von ihrem Spielpartner, einem langhaarigen Typen, anerkennende Blicke. Sie sah verdammt sexy aus, und Lisa wusste augenblicklich wieder, wieso alles so schnell gegangen war.

Joe wirkte burschikos, und Lisa war sicher, dass sie sich mit Absicht so gab. Cool und lässig und gleichzeitig stark und unerschütterlich. Dass Joe eine Frau war, erkannte man erst auf den zweiten Blick, wenn man ihre schlanken Hände betrachtete, ihren schmalen Hals, ihre weiche Haut. Diese Kombination aus Härte und Weichheit hatte auf Lisa eine unwiderstehliche Wirkung. Als sie Joe zum ersten Mal gesehen hatte, musste sie sofort an eine Situation damals im Ferienlager denken, die sie schon lange vergessen geglaubt hatte. Anno dazumal hatte sie sich in einen Jungen verguckt, der sich genauso cool und lässig gab – lange bevor sie wusste, dass sie auf Frauen stand. Doch wenig später stellte sich heraus, dass Lisas Schwarm in Wahrheit ein Mädchen war und Carola hieß. Lisa hatte sich die ganzen Ferien über geärgert, nicht mit ihr in ein Zimmer gekommen zu sein. Wahrscheinlich wäre nie etwas zwischen ihnen passiert, aber in jenem Sommer hatte Lisa stets Carolas Nähe gesucht und ihr zu gefallen versucht, wenn auch ohne Erfolg. Und dann stand Joe plötzlich vorgestern vor ihr und erzeugte in ihr sofort dieses Wow-Gefühl, das sie seitdem nie wieder erlebt hatte.

Joe hatte Lisa inzwischen im Türrahmen entdeckt und winkte ihr erfreut zu. »Hey!«, sagte sie und zog Lisa zu sich heran, sobald diese in Reichweite war. »Da bist du ja. Toll siehst du aus.« Sie küsste Lisa mit leicht geöffneten Lippen direkt und unverblümt auf den Mund. Lisa schluckte.

»Du auch«, antwortete sie, als Joe sie losließ, und sah ihr in die Augen. Obwohl es ihr schwerfiel, diesem alles durchlöchernden Blick standzuhalten. Joe sah abwechselnd zu Lisas Lippen und ihrem Ausschnitt. Dabei lächelte sie vielversprechend.

»Du musst mich noch kurz entschuldigen«, bat sie schließlich »ich spiele nur die Partie zu Ende. Dann bin ich nur für dich da.« Sie zwinkerte und wandte sich wieder dem Billardspiel zu.

Lisa bestellte sich einen Weißwein, setzte sich in die Nähe des Billardtisches und beobachtete Joes geschicktes Agieren mit dem Queue. Dann glitt ihr Blick bewundernd zu Joes rundem Hintern, der in der engen Lederhose besonders gut zur Geltung kam, vor allem, wenn sie eine der Kugeln spielte und weit vorgebeugt über dem Tisch hing. Als nur noch die letzte, schwarze Kugel auf dem Tisch lag, ging es einige Male hin und her, doch schließlich konnte Joe das Spiel für sich entscheiden. Sie klatschte sich mit dem langhaarigen Typen ab und schlenderte dann auf Lisa zu.

»Glückwunsch, gut gespielt«, lobte Lisa und versuchte locker zu klingen.

Joe zog einen Stuhl dicht an Lisas heran und flüsterte ihr ins Ohr: »Das liegt an dir. Du bringst mir Glück.«

Lisa bekam eine Gänsehaut. »Das hoffe ich doch!« Sie lachte, legte sich ihr lockiges Haar über eine Schulter und drehte eine Haarsträhne um ihren Finger, während sie Joe weiter anlächelte und die Lippen übereinanderschob, so als wolle sie Lippenstift verteilen. Joe schwieg und sah sie ihrerseits mit unverhohlenem Interesse an. Lisa glaubte unter ihren heißen Blicken zu verbrennen. Als es schier unerträglich wurde, zog Joe sie auf ihren Schoß. Sie berührte zuerst Lisas Hals, fuhr ihr dann mit den Fingern unter die Bluse, um ihre Schulter zu streicheln. Die Liebkosung ging Lisa durch Mark und Bein. Halb erregt, halb erschrocken sah sie sich im Raum um. Sie waren ganz allein.

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Rebecca Berg: Aus Zufall wurde Liebe

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