• Catherine Fox: Manche mögen’s weiß

Kampflesbe trifft auf Zickenblondine – ein (nicht ganz ernst gemeintes) Weihnachtsmärchen
Als Weihnachtsmann verkleidet bricht Romy in Häuser reicher Familien ein, um als moderner Robin Hood die Beute unter den Armen zu verteilen. Eines Nachts wird sie jedoch von Gräfin Sandra Austel überrascht, es kommt zum Handgemenge . . . und Sandra wacht nach einem Knockout in Romys Waldhütte wieder auf. Frau Gräfin passt es zunächst gar nicht, dem Bauerntrampel Romy ausgeliefert zu sein, die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit – allerdings nicht sehr lange . . .

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Eckdaten
Format Taschenbuch
Seiten 60
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1.

Ein Geräusch ließ sie wach werden.

Angestrengt lauschte sie in die Stille hinein. Da. Da war es wieder! Sie kannte dieses Geräusch nur zu gut. Das Reiben von Holz aneinander. Jemand war im Wohnzimmer und machte sich an den Schubladen der Kommode zu schaffen!

Sie rüttelte an der großen Wulst, die neben ihr lag, und flüsterte: »Schatz, wir haben einen Einbrecher im Haus!«

Der Wulstberg rührte sich nicht.

»Scha-hatz! Da ist ein Einbrecher!« Sie rüttelte erneut. Unter der Decke des Wulstberges war nur ein Grunzen zu vernehmen.

Wieder rumorte es im Wohnzimmer.

»Schatz, jetzt wach endlich auf!« Aus dem Rütteln wurde ein Schütteln.

Schatz bewegte sich. Kaum spürbar. Ein unverständliches Brabbeln kam unter der Decke hervor, dann schlief Schatz weiter.

Missmutig schwang sie sich aus dem Bett und warf sich den Bademantel über. Sie schlich zur Tür und öffnete sie leise. Vorsichtig spähte sie durch den Spalt. Da sie nichts erkennen konnte, wagte sie sich weiter hinaus.

Am Treppengeländer konnte sie in die untere Etage schauen. Und was sie da sah, ließ ihr den Atem stocken. Die Wohnzim-mertür stand ein Stück offen, der Lichtkegel einer Taschenlampe wanderte durchs Zimmer. Zwischendurch wieder die Geräusche des Öffnens und Schließens von Schubladen und Türen.

Was sollte sie nur tun? Die Polizei anrufen? Das Haustelefon und das Handy lagen ausgerechnet im Wohnzimmer.

Schatz wecken? Eh der in die Gänge kam, war der Einbrecher mit seiner Beute längst weg.

Mit dem Schürhaken zuschlagen, wie sie es in Fernsehkrimis taten? Das Ding hing auch im Wohnzimmer, gleich neben dem Einbrecher.

Ihr kam eine andere Idee. Sie schlich zu der kleinen Abstellkammer neben dem Bad und fand das Gesuchte. Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht machte sie sich auf den Weg in die Höhle des Löwen.

Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie wusste, dass sie nur eine Chance hatte, den Überraschungsmoment zu nutzen. Eine Weile verharrte sie vor dem Wohnzimmer, um sich zu vergewissern, dass es nur ein Einbrecher war und nicht mehrere. Umso überraschter war sie, als sie die Silhouette des Einbrechers sah. Es war ein Weihnachtsmann!

Aha, so läuft das also, dachte sie. Sie klauen sich von dem einen die Sachen, um sie dann an andere als Geschenke zu verteilen. Da hatte dieser Weihnachtsmann aber die Rechnung ohne sie gemacht! Was im Haus war, blieb auch hier!

Ihre Hand tastete um die Ecke nach dem Lichtschalter. Im selben Augenblick, als sie das Licht anknipste, stürzte sie todesmutig ins Zimmer. Erschrocken fuhr der Weihnachtsmann herum – und bekam sofort ihre Waffe ins Gesicht.

»Was zum Teufel . . . hatschi . . . ist das . . . hatschi . . .«

Volltreffer! Sie fuchtelte noch ein wenig mit dem Staubwedel vor seinem Gesicht herum. Das Mottenpulver, mit dem sie die Waffe vorher »geladen« hatte, hatte sich so richtig in seinem Bart verfangen. Doch als sie nach dem Schürhaken griff, kam er ihr trotzdem zuvor. Mit einer Hand hielt er sie am Arm fest, mit der anderen riss er sich den Bart vom Gesicht, um den Niesattacken ein Ende zu bereiten.

»Mein Schmuck bleibt hier!«, geiferte sie, als sie sah, dass er ihr Geheimfach geknackt und schon die Hälfte des Inhalts eingesackt hatte.

Sie rangen miteinander, ein Stuhl flog um, eine Vase ging zu Bruch. Er hielt immer noch ihr Handgelenk mit eisernem Griff umklammert.

Im Flur ging das Licht an. Durch die offene Tür konnte sie erkennen, wie sich oben auf der Treppe ein Bierbauch um die Ecke schob.

»Schatz, hilf mir!«, schrie sie.

Der Weihnachtsmann hielt ihr mit der freien Hand den Mund zu. Sie wand sich unter seinem Klammergriff, versuchte zu beißen. Inmitten des Gerangels hörte sie ein leises Klirren in der Tasche ihres Bademantels.

Das war die Lösung. Na warte, du Weihnachtsmann. Ein Klicken ertönte, dann noch eines.

Verdattert sah der Einbrecher auf seine Hand, mit der er sie nach wie vor festhielt. Rosa Plüschhandschellen fesselten sie beide aneinander. Sie grinste ihn schadenfroh an.

»Du bleibst hier!« Dann wandte sie sich zur Tür und rief nach draußen: »Schatz, beeil dich doch!«

Der Bierbauch schob sich weiter vor. Unter ihm konnte man die unterste Hälfte von gestreiften Shorts ausmachen, der restliche Teil wurde von dem überhängenden Bauch verdeckt. Aus den Shorts ragten zwei haarige Beine, die wie Sauerkrautstampfer aussahen und sich in Zeitlupe bewegten.

Der Weihnachtsmann hob die Hand mit den Handschellen hoch und deutete mit einem Blick darauf. »Wo ist der Schlüssel?«

»Oben, im Schlafzimmer.« Ein breites Grinsen legte sich über ihr Gesicht.

Der Weihnachtsmann sah sie an, überlegte kurz. »Du kommst mit«, legte er fest und zog sie mit sich Richtung Fenster.

»Das hättest du wohl gern!« Mit ihrer freien Hand trommelte sie wild auf ihn ein. Doch er war kräftiger als sie und zog sie unerbittlich mit sich fort, kletterte aus dem Fenster, und sie hatte keine andere Wahl, als dicht hinter ihm hinauszusteigen.

»Iiiiiihhh, ist das kalt!«, kreischte sie, als sie barfuß im Schnee landete. »Ich habe nichts anzuziehen!«

»Ihr reichen Schnösel habt immer ein halbes Dutzend Schränke voll Nichts anzuziehen«, zischte er und zerrte sie grob hinter sich her. »Das hast du dir selber eingebrockt.« Er hielt erneut die Hand mit den Handschellen hoch, um ihr ihre Situation zu verdeutlichen.

Dann standen sie vor einem Schneemobil.

Sie rammte ihre nackten Füße in den Boden. »Da fahre ich aber nicht mit!« Nie im Leben würde sie sich darauf verfrachten lassen. Nur über ihre Leiche.

Im nächsten Moment setzte sie ein ordentlicher Kinnhaken außer Gefecht.

Das Schneemobil verschwand mit zwei Personen darauf durch das einsetzende dichte Schneegestöber im Dunkel der Nacht. Schatz, der es endlich bis ans Wohnzimmerfenster geschafft hatte, schaute verdattert hinterher.

2.

Als sie die Augen aufschlug, fand sie sich in einem Bett wieder. Ungläubig blickte sie sich um. Sie befand sich in einem Zimmer mit Holzwänden, Regalen mit allerlei Krimskrams darauf, einem Schrank und einem Tisch mit zwei Stühlen, an dem eine Frau saß und einen Apfel zerteilte. Eine Wäscheleine war quer durchs Zimmer gespannt, auf der ein Weihnachtsmannkostüm und ein Bademantel zum Trocknen hingen.

Ihr Bademantel. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie entführt worden war und nichts weiter auf dem Leib getragen hatte als diesen Bademantel. Sie wollte unter ihre Decke schauen, aber ihre rechte Hand war mit den Handschellen an einen der hölzernen Bettpfosten gekettet. Sie bemerkte einen gestreiften Ärmel. Unter der Decke tastete sie mit der linken Hand ihren Körper ab. Sie hatte ein Oberteil und eine Hose an, wahrscheinlich einen Pyjama. Und dicke Wollsocken an den Füßen, die kratzten.

Sie sah wieder zu der Frau am Tisch, die einen blauweißen Rollkragenpulli aus Wolle mit Norwegermuster trug. Das war das einzig Normale an ihr. Zahlreiche Kreolen zierten ihr Ohr, und im Gesicht glitzerte an jedem dazugehörigen Körperteil ein Piercing. Die Frisur bestand aus einem knallroten Bürstenkamm in der Mitte, der in einem kleinen Pferdeschwanz endete, und tiefschwarzem kurzgeschnittenem Haar an den Seiten. Sie mochte etwa Ende zwanzig sein.

Die Frau schnitt sich eine Apfelscheibe ab und steckte sie sich mit dem Messer in den Mund. Dabei sah sie zu ihr herüber. »Oh, Barbie ist wach geworden«, sagte sie kauend.

»Ich verbitte mir diesen Vergleich. Wenn ich Barbie bin, bist du ganz sicher nicht Ken. Nur weil ich ein bisschen Ähnlichkeit mit ihr habe, gibt es dir noch lange nicht das Recht, mich so zu nennen.«

»Ein bisschen Ähnlichkeit ist gut. Man könnte meinen, du hast für dieses Püppchen Modell gesessen. Aber du kannst mir auch gern deinen richtigen Namen verraten.«

»Pah. Das hättest du wohl gern.«

»Wie wäre es mit Blondi?« Die Frau grinste breit.

»Ich verklage dich!« Sie zerrte wütend an den Handschellen. »Wo bin ich hier eigentlich?«

»Gut aufgehoben.«

»Diese Abstellkammer nennst du gut aufgehoben?«

»Hmm. Du hättest es schlimmer treffen können.« Die Frau kaute weiter an ihrem Apfel.

»Mach mich sofort los.«

»Warum?« Gleichgültig sah die Frau zu ihr herüber.

»Weil ich es so will!«

»Du bekommst immer, was du willst, hm?«

»Sicher.«

»Aha.« Der Apfel war aufgegessen. »Außerdem gibt es dafür ein Zauberwort.«

Blondi stellte sich stur. »Wie hast du überhaupt die Handschellen aufbekommen ohne Schlüssel?«

»Gaunergeheimnis.«

»Mach mich los.«

Die Frau ignorierte den Befehl. »Du hast meinen Bart ruiniert«, warf sie ihr vor.

»Dann warst du dieser diebische Weihnachtsmann? Habe ich mir fast gedacht bei diesem roten Lappen da.« Blondi nickte zu dem Weihnachtsmannkostüm hin.

Die Frau stand auf und goss aus einer Thermoskanne Tee in eine Tasse. Er dampfte noch. Sie brachte Blondi die Tasse ans Bett und sagte: »Trink das, sonst hast du morgen eine ordentliche Erkältung.«

»Ich will jetzt nichts trinken!« Erst jetzt bemerkte sie die kräftige Statur der Frau. Und dann dieses burschikose Auftreten . . . Das reinste Mannweib!

Die Frau zuckte nur mit den Schultern und stellte die Tasse Tee auf das kleine Tischchen neben dem Bett. Dann legte sie sich auf die Couch vor dem Kamin und verschwand so aus Blondis Blickfeld.

»Hey, du falscher Santa Claus, du kannst dich doch jetzt nicht einfach hinlegen und schlafen! Mach mich gefälligst los!«

Gemächlich deckte sich die Frau mit einer Decke zu, rückte sich das Kissen zurecht und räkelte sich, dem Quietschen der Couch nach zu schließen, in der Wärme des prasselnden Feuers.

»He, hallo, Rotkämmchen! Ich schreie gleich die ganze Umgebung zusammen!«

Der rote Kamm tauchte auf und schaute über die Rückenlehne. »Da kannst du lange schreien. Es wird dich keiner hören.«

»Das werden wir ja sehen.« So laut sie konnte, begann Blondi um Hilfe zu schreien. Mit ihrem Organ kam sie gut über einhundertzwanzig Dezibel.

Auf der Couch schüttelte Rotkämmchen nur den Kopf, legte sich wieder gemütlich hin und packte sich noch ein Kissen aufs Ohr.

Nach minutenlanger stoischer Ignoranz ihrerseits gab Blondi ihr Geschrei schließlich auf und fügte sich in ihr Schicksal. Frustriert trank sie den lauwarmen Tee und starrte an die Decke, bis das Feuer im Kamin immer kleiner wurde und der Raum schließlich in Dunkelheit gehüllt war. Irgendwann schlief sie ein.

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Catherine Fox: Manche mögen’s weiß

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