• Ruth Gogoll: Das Weihnachtstagebuch

»Liebes Tagebuch, morgens wache ich schon mit einem Frösteln auf. Und dann schaue ich auf die andere Seite und denke mir, wie schön es wäre, wenn da jemand läge – eine Frau, die sich mit mir zusammen auf Weihnachten freut . . . meine Frau.«
So beginnt das Weihnachtstagebuch, doch wer weiß, wie es endet? Kann ein solcher Wunsch in Erfüllung gehen und an Heiligabend eine Überraschung unterm Weihnachtsbaum liegen?

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Leseprobe:

Eckdaten
Format ebook
Seiten 42
Leseprobe

1. Dezember

Liebes Tagebuch,

es ist kalt draußen geworden, und ich weiß nicht, ob sich das auf meine Stimmung auswirkt, aber ich glaube, es tut es. Obwohl ich heize wie verrückt, werden meine Füße einfach nicht warm. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass mein Bett nachts so kalt ist, dass ich irgendwie gar nicht warm werde, wenn ich schlafe. Ich wache schon mit einem Frösteln auf. Und dann schaue ich auf die andere Seite und denke mir, wie schön es wäre, wenn da jemand läge – eine Frau, die sich mit mir zusammen auf Weihnachten freut . . . meine Frau.

Aber das ist wohl nur ein frommer Wunsch. Fromm! In der Weihnachtszeit wahrscheinlich gerade die richtige Bezeichnung! Soll ich einen Wunschzettel schreiben und ihn auf die Fensterbank legen, damit der Weihnachtsmann – oder die Weihnachtsfrau – kommt und ihn abholt? Und mir eine Frau zu Weihnachten schenkt? Schön verpackt unterm Weihnachtsbaum?

3. Dezember

Von drauß vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Ach, liebes Tagebuch,

ich war gerade auf dem Weihnachtsmarkt und habe mir die Nase abgefroren! Es weihnachtet sehr, aber nur in einer Richtung, nämlich der des Verkaufs. Und goldene Lichtlein – na, die gab es vielleicht noch zu Theodor Storms Zeiten, als er das Gedicht schrieb, aber heutzutage sieht man höchstens rote Lichtlein auf den Nasenspitzen sitzen, entweder vom Frost oder vom Glühwein.

Alt und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

schreibt Theodor Storm weiter in seinem Knecht Rupprecht, aber wie sieht es in Wirklichkeit aus? Alles rennet, rettet, flüchtet!, wie der gute, alte Schiller in seinem Lied von der Glocke sagte. Oder drängt sich vor den Ständen, als ob es morgen nichts mehr zu kaufen gäbe. Hektik überall. Weihnachten, das Fest der Stille und der Besinnung – gibt es das überhaupt noch? Vielleicht ist es einfach schon zu lange her, dass dieses Fest entstanden ist. Über 2000 Jahre, ist ja auch eine mordsmäßig lange Zeit.

Jedes Jahr denke ich: Dieses Jahr machst du es dir zu Weihnachten aber richtig schön! Keine Arbeit, kein Stress, keine Leute. Und jedes Jahr bin ich enttäuscht, dass es wieder nicht geklappt hat, dass wieder alles im Trubel untergegangen ist, bis ich dann einsam vor meinem Tannenzweig sitze und merke, dass Weihnachten doch nicht so schön ist – allein. Keine Leute – klar, das ist ja ganz nett, wenn man damit die klingelnden Telefone meint, die einem im Büro in den Ohren dröhnen, die Geschäftsbesucher, die vor dem Schreibtisch stehen, die Massen beim Samstagseinkauf. Keine Leute – ja, aber schön wäre es eben doch: ein Leut. Ein ganz bestimmtes Leut. Ein Frau-Leut.

Selbst auf dem Weihnachtsmarkt habe ich nach ihr Ausschau gehalten. Jedes nette Frauengesicht betrachtet, ob es nicht vielleicht auch von Einsamkeit spricht, von der Sehnsucht nach Gesellschaft. Aber die meisten sind mit ihrem Mann unterwegs und mit den Kindern. Und die allein unterwegs sind, starren vor sich hin, als ob sie sich auf einem Schlachtfeld befänden, einen Krieg gewinnen müssten. Den Krieg gegen das letzte Weihnachtsgeschenk. Das habe ich alles schon vor Wochen erledigt. Das ganze Jahr über schaue ich nach Geschenken und sammle sie dann in meinem Abstellraum. Vor Weihnachten werden sie hervorgeholt, eingepackt und verschickt, das dauert ein paar Tage und macht tatsächlich Spaß. Für jeden das richtige Geschenk – auch wenn ich selten das richtige zurückbekomme . . . wenn überhaupt.

Meine Nachbarin stand heute vor der Tür. Eine wirklich nette Frau – mit einem netten Mann und netten Kindern. Sie wollte mich einladen – sie hat so eine soziale Ader – zum Weihnachtsessen mit nachfolgender Bescherung unterm Baum. Wahrscheinlich holen sie sich sonst jedes Jahr einen Obdachlosen von der Straße, und dieses Jahr haben sie sich auf ihre alleinlebende Nachbarin besonnen. Ich habe dankend abgelehnt. Sie sagte, ich könne es mir ja noch einmal überlegen, ich könne auch ganz spontan kommen. Spontan! Als ob ich spontan wäre! Nein, bin ich nicht – und ich stehe auch dazu! Heutzutage wollen alle spontan sein, das hat was von jugendlich, von Elan, aber muss das denn immer sein? Kann man die Dinge nicht auch einmal planen? Meine Tage verlaufen einer wie der andere, wie Du ja weißt, liebes Tagebuch, da ich Dir alles erzähle, und Spontaneität würde nur alles durcheinanderbringen. Nein, nicht mit mir. Ich will meine Ruhe, meine Ordnung, meinen geregelten Ablauf. Ob es eine Frau gibt, die mir da zustimmt? Oder wollen die auch alle das Spontane? Spontane Liebe, spontaner Sex, keine Verpflichtungen. Ja, das kenne ich. In einer Minute verliebt, in der nächsten im Bett, und in der dritten schon wieder allein. Darauf kann ich verzichten.

5. Dezember

Es schneit, es schneit,
Es wurde höchste Zeit!
Der Winter lädt zum Rodeln ein
Und endlich freut sich Groß und Klein . . .

Wie es das Weihnachtslied sagt, zeigt sich heute zum ersten Mal die weiße Pracht. Richtiges Sonntagswetter, und überall sehe ich die Familien mit den Kindern und Rodelschlitten zu unserem kleinen Hügel hier um die Ecke ziehen. Von meinem Fenster im zweiten Stock habe ich einen guten Blick auf alles. Ich erinnere mich, wie sehr ich das Rodeln als Kind geliebt habe. Jetzt würde ich mir wahrscheinlich die Beine brechen, die Sportlichste bin ich nicht mehr. Na, aber ein bisschen Schnee hat noch niemand geschadet. Ich werde mir die dicken Stiefel anziehen und hinausgehen, ein paar Schneebälle werfen, dem vergnügten Kreischen der Kinder lauschen, das mich an mein eigenes erinnert.

Tagebuch, liebes Tagebuch!

Ich bin so aufgeregt! Als ich Dir vor ein paar Stunden von dem Schnee erzählte, der gefallen war, und dass ich hinausgehen würde, hatte ich an überhaupt nichts Böses gedacht – nichts Böses und nichts Gutes; es war einfach nur der Winter, der mich anzog. Und was glaubst Du, was passiert ist? Ich habe sie getroffen!

Sie, sie sie! Ich könnte tanzen vor Freude, wenn die dicken Klamotten mich nicht daran hindern würden. Warte, ich ziehe sie aus. Ich musste Dir gleich davon erzählen, ich konnte nicht warten.

So, jetzt bin ich wieder hier. Ohne dicke Stiefel und Ohrenschützer. Sie ist UMWERFEND! Du kannst dir nicht vorstellen, wie sie ist. Sie ist schön, charmant, blauäugig – habe ich schon erzählt, dass sie blaue Augen hat? Augen, die blitzen, wenn sie spricht, die lachen, wenn sie einfach nur redet. Augen, die einfach nur – zum Versinken sind. Wie in einen See würde ich mich gern hineinfallen lassen und in ihnen ertrinken. Nein, vielleicht nicht ertrinken, nur tauchen mit ihr, ihr, ihr! Oh, ich bin glücklich, glücklich, glücklich!

Sie ist nicht von hier, sie ist nur zu Besuch bei Verwandten oder Bekannten, ich habe nicht genau hingehört; ich konnte nicht genau hinhören, ich musste nur immer ihre Lippen beobachten, wie sie sich bewegten, wie sie sich rot über ihren weißen Zähnen öffneten. Sie hat wundervolle Zähne, große, starke, kräftige Zähne, sinnliche Lippen, einen immer ein wenig schmunzelnden Gesichtsausdruck, als ob ihr die Welt zu Füßen läge und sie sich darüber amüsierte. Sie strahlt etwas aus – einmal blickte ich hinunter, während ich neben ihr stand, und nahm fest an, dass der Schnee unter meinen Sohlen geschmolzen sein müsste, weil mir so heiß war . . . so heiß wie schon lange nicht mehr. Aber der Schnee war ganz unbeeindruckt und kalt. Nur mir wurde heißer und heißer, ich kochte fast. Wohlige Schauer rannen mir über den Rücken, während ich die Augen schloss und nur ihrer Stimme lauschte, dieser süßen, süßen Stimme, die mich in höhere Welten versetzte.

Nach einer Weile stieß sie mich an, und als ich aus meinen Träumen erwachte, blickte ich in ihr lächelndes Gesicht.

»Ist etwas?« fragte sie. »Langweile ich Sie mit meinen Geschichten?«

Langweilen? Wie könnte sie mich je langweilen? Sie! Nichts konnte weniger langweilig sein als ihre Gegenwart.

Ich versicherte ihr schnell, dass ich nur Kopfschmerzen hätte – Kopfschmerzen! Seit ich sie gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, je wieder welche zu haben! – und dass ich ihr gern zuhören würde.

Sie meinte, ich könne ruhig ehrlich sein, sie wüsste, dass sie manchmal etwas langatmig würde.

Sie könnte das Telefonbuch vorlesen, und ich würde ihr hingerissen lauschen.

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Ruth Gogoll: Das Weihnachtstagebuch

  • Hersteller édition el!es
  • Artikelnr. 978-3-941598-62-1
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