• K. T. Talbot: Befreite Gefühle

Gefangen in einem Schneesturm kann Karen ihre überwältigenden Gefühle für Jessie kaum mehr im Zaum halten. Die Hockeyspielerin Jessie kam in die Stadt, um sich ein neues Leben aufzubauen, weit weg vom Schmerz vergangener Beziehungen. Doch als sie Karen trifft, flammen die Gefühle wieder auf, die sie eigentlich verstecken wollte. Eine ganze Nacht allein mit Karen ist das letzte, was sie jetzt brauchen kann, deshalb wagt sie sich in den Sturm, um nach Hause zu kommen. Doch zu Karens Überraschung steht sie recht bald wieder vor der Tür – werden sich beider Gefühle jetzt befreien können?


WICHTIGER HINWEIS

Kapitel 15 ist bei der Übersetzung an die falsche Stelle gerutscht. Dieses Kapitel gehört zwischen Kapitel 10 und Kapitel 11.
Die Kapitel sollten also in folgender Reihenfolge gelesen werden: 10 - 15 - 11 - 12 - 13 - 14 - 16
Wir entschuldigen uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten.


Sie können diesen Titel auch als ebook erwerben als

Amazon Kindle

Oder in allen ebook-Stores wie Tolino, iBooks Store, Skoobe, Kobo u.v.m.

Leseprobe:

Eckdaten
Format Taschenbuch
Seiten 240
Leseprobe

1

Nachdem Karen die ganze Woche über gearbeitet und sogar noch zwei Schichten einer kranken Kollegin übernommen hatte, freute sie sich jetzt auf ein freies Wochenende. Als Krankenschwester in der immer gut besuchten Notaufnahme des Brockville General Hospital zu arbeiten hatte ihr in den letzten neun Jahren große Freude und Genugtuung bereitet. Sie hatte in dieser Zeit so manche schreckliche und schwere Verletzung gesehen, aber anderen helfen zu können war Karens große Leidenschaft.

Da es ein regnerischer Tag war, gönnte sich Karen ein heißes Bad und kuschelte sich dann mit einem guten Buch auf ihren Diwan. Sie hatte nicht oft die Gelegenheit, einen entspannten Tag einzulegen. Als Hausbesitzerin hatte sie eigentlich immer etwas zu tun. Entweder musste der Rasen gemäht werden oder sie musste sich um den Garten kümmern, und im Winter musste der Bürgersteig vom Schnee befreit werden.

Karens Haus befand sich nur etwa fünfzehn Minuten von der Stadt Brockville entfernt auf dem Land. Der Weg zur Arbeit und zurück war wunderschön und gab Karen genügend Zeit, sich morgens geistig auf die Arbeit einzustellen und sich abends von ihrem Tag zu erholen, bevor sie zu Hause ankam. Ihr Bungalow verfügte über zwei Schlafzimmer und war, etwas von der Straße zurückgesetzt, in einem Pinienwäldchen gelegen.

Karen mochte Menschen und traf sich gern mit ihrer Familie und Freunden, doch wenn sie erst einmal in ihren eigenen vier Wänden war, war sie so entspannt, dass sie sich nur schwer dazu aufraffen konnte, noch einmal auszugehen. Sie nippte an ihrem frisch aufgegossenen Tee und sah aus dem Fenster. Die Bäume hatten bereits ihre Blätter verloren und der Boden war mit einer wärmenden Schicht vor dem nahenden Winter geschützt. Selbst die Pinien hatten eine sandig-goldene Decke aus Nadeln auf dem Boden hinterlassen. Es war ein regnerischer Novembertag. Der Himmel war eine aufgewühlte Mischung aus Blau und Grau.

Einige Vogelhäuschen hingen in den Ästen einer großen Pinie und boten eine verlockende Auswahl an Mais, Nüssen und verschiedenen Körnern. Es gab auch einige Talgknödel, die die Dunenspechte dazu einluden, sich am reichhaltigen Buffet zu beteiligen.

Zahlreiche Vogelarten fanden sich täglich hier ein, um sich an dem Bankett gütlich zu tun. Die Blauhäher machten mit ihrem unverwechselbaren Ruf auf sich aufmerksam. Viele andere Vögel flatterten aufgeregt umher. Es war eine wahre Freude, ihnen allen dabei zuzusehen, wie sie, meist in Harmonie, einer gemeinsamen Notwendigkeit nachgingen: der Futtersuche. Doch sobald auch nur ein oder zwei Eichhörnchen auf der Bildfläche erschienen, kehrte sofort Unruhe ein. Karen hatte nur selten die Muße, die Tiere, die in ihrem Garten ein sicheres Zuhause gefunden hatten, in aller Ruhe zu beobachten. Die Natur war so wunderschön, und Karen hatte ihr eigenes kleines Paradies direkt vor ihrem Fenster. Sie beobachtete ein Turteltaubenpärchen, das sich nah aneinander gedrückt auf einem Ast niedergelassen hatte und einander sanft zugurrte, und wurde ein wenig schwermütig. Sie sehen immer so glücklich aus, wie sie da so aneinander gekuschelt sitzen. Irgendwann würde auch ich gern solch intime Momente mit einem besonderen Menschen teilen, dachte sie.

In diesem Moment klingelte das Telefon und riss sie aus ihren Gedanken.

»Hallo.«

»Hi, Karen«, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung.

»Oh, hallo, Julie. Was für ein toller Tag zum Nichtstun, stimmt’s? Besonders nach einer hektischen Woche.«

»Ja, das stimmt. Ich dachte, ich setze einen Schmorbraten auf und lasse ihn den ganzen Tag köcheln. Wir wollten dich zum Abendessen und Kartenspielen einladen.«

»Ich würde gern mit euch essen. Was soll ich mitbringen?«

»Gar nichts. Es ist für alles gesorgt. Komm doch so um fünf zu uns.«

»Wie sieht es mit Nachtisch aus, soll ich den mitbringen?«

»Hauptsache, du bringst dich mit.«

»Okay, ich sehe euch dann heute Abend.«

Julie und Karen waren seit mehr als sieben Jahren richtig gut befreundet. Karen hatte sie an dem Tag kennen gelernt, an dem sie als Krankenschwester eingestellt wurde. Sie waren sofort Freunde geworden.

Karen goss sich eine frische Tasse Tee auf und kuschelte sich wieder auf ihren Diwan. Sie las stundenlang, und bevor sie es sich versah, war es Zeit, sich fertig zu machen und zu Julie und Rhonda zum Abendessen aufzubrechen.

Rhonda war Julies Lebensgefährtin. Sie waren jetzt seit etwas mehr als drei Jahren zusammen, überaus glücklich und sehr verliebt. Karen hatte viele Bekannte und Freunde. Und einige aus ihrem Freundeskreis – eigentlich recht viele, um genau zu sein – waren lesbisch. Karen interessierte sich für lesbische Partnerschaften und fand sie faszinierend, konnte sich selbst aber nicht mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerin sehen. Jedenfalls beneidete sie Julie und Rhonda um ihre Beziehung und bewunderte den respektvollen Umgang der Frauen miteinander.

Karen hatte sich im Laufe der Jahre ab und zu mit Männern getroffen, aber es hatte sich nie eine feste Beziehung daraus entwickelt, und sie war ihnen auch emotional nie nahe genug gekommen, um sich überwinden zu können, sich der körperlichen Liebe hinzugeben. Mit vierunddreißig immer noch Jungfrau zu sein war mehr als ungewöhnlich und fast ein wenig peinlich. Wenn sie sich irgendwann ganz dieser einen Person hingab, sollte es etwas ganz Besonderes sein. Sie hatte sich noch nie zu jemandem genügend hingezogen gefühlt, um diesen Schritt zu wagen.

Karen klingelte an Julies Tür. Sie hatte eine Flasche Rotwein in der einen und eine Flasche Weißwein in der anderen Hand. Als Julie die Tür öffnete, hielt sie ihr beide Flaschen hin und sagte: »Ich weiß nicht, was besser zu Schmorbraten passt, also bin ich mal auf Nummer sicher gegangen.«

»Du solltest doch nichts mitbringen!«, schalt Julie sie.

»Ich konnte doch nicht mit leeren Händen hier auftauchen. Du kennst mich doch«, verteidigte sich Karen.

»Wo ist Rhonda?«

»Oben. Sie zieht sich ein anderes Shirt an.«

Just in diesem Moment kam Rhonda ins Zimmer und nahm Karen die beiden Flaschen ab.

»Ich bin mir sicher, dass wir rausfinden können, welcher von den beiden besser zu Schmorbraten passt. Wenn wir mit dem Essen fertig sind, können wir ein Urteil fällen«, sagte Rhonda.

Sie lachten und die Flaschen wurden geöffnet, noch bevor Julie Karens Mantel weggehängt hatte.

»Das Essen riecht großartig! Ich habe extra den ganzen Tag über nicht viel gegessen, damit ich deinen leckeren Schmorbraten gebührend würdigen kann«, erklärte Karen.

»Also, es ist auf jeden Fall genügend da, so dass niemand hungern muss.« Julie bat sie, doch am Tisch Platz zu nehmen. Und wie immer war das Essen köstlich. Sie hatten alle je ein Glas Rotwein und Weißwein, damit sie nach dem Essen eine fundierte Entscheidung darüber treffen könnten, welcher Wein besser zu Schmorbraten passte.

Rhonda tat so, als wäre sie eine Weinkennerin und schwenkte den Wein im Mund hin und her, erst den Roten, dann den Weißen.

Julie und Karen mussten über Rhondas Gesichtsausdruck lachen.

»Okay, wie wäre es damit . . .« Rhonda stand auf, nahm einen Schluck Weißwein, behielt ihn im Mund und lehnte sich zu Julie hinüber, die den Wein aus ihrem Mund trank, wobei nur wenige Tropfen verschwendet wurden.

»Hat der genauso geschmeckt wie dein Weißer?«, fragte Rhonda.

»Nein, um ehrlich zu sein, schmeckt dieser hier nach mehr«, konterte Julie mit einem breiten Grinsen.

Karen sah ihren Freundinnen dabei zu, wie sie sich neckten. Was für ein wundervolles Pärchen, dachte sie. Ich hätte auch gern jemanden, mit dem ich ein ähnliches Glück erleben darf wie Rhonda mit Julie. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie miteinander lachten, sich neckten und flirteten, dabei ihre Gesichter verzogen und sich generell wie verliebte Teenager benahmen, schien so natürlich. Karen sehnte sich nach jemandem, der sie wie etwas Besonderes behandelte und der sie mit diesem bestimmten Blick ansah . . . mit leuchtenden Augen, so wie Julie und Rhonda einander ansahen.

Rhonda wandte sich an Karen und wechselte das Thema.

»Karen, du warst ja diese Saison wieder ein treuer Fan unseres Hockey-Teams.«

»Ja, das Spiel gefällt mir. Und die Tatsache, dass ich fast jede im Team persönlich kenne, macht das Zuschauen noch interessanter.«

»Stimmt, dieses Jahr sind es fast wieder dieselben Spielerinnen. Ach, wir haben übrigens eine neue Spielerin. Sie unterrichtet Sport an der Thousand Island Mittelschule.«

»Julie hat mir das schon erzählt, aber bis jetzt war sie jedes Mal nicht da, wenn ich beim Spiel zugeschaut habe.«

»In der letzten Zeit hatte Jessie ziemlich viel mit der Schule zu tun, aber ab sofort sollte sie wieder öfter beim Training sein.«

Der Abend verging wie im Flug. Sie hatten stundenlang Karten gespielt, und als Karen schließlich auf die Uhr sah, war es bereits nach zehn. »Ich setze mal lieber meinen Hintern in Bewegung und gehe nach Hause.«

»Ist es schon so spät?«, fragte Julie.

»Ich war heute ziemlich faul. Und für morgen früh hab ich noch eine ziemlich lange Liste an Sachen, die gemacht werden müssen. Vielen Dank für einen wundervollen Abend.« Karen nahm sie zum Abschied in den Arm und gab ihnen einen Abschiedskuss. »Julie, dich sehe ich ja auf der Arbeit – und Rhonda, bis Donnerstag, beim Hockey.«


Die Woche verging wie im Flug, und ehe sie es sich versah, war es Donnerstag. Julie und Karen trafen sich auf der Zuschauertribüne.

»Die Neue soll heute spielen«, informierte Julie Karen. »Ich bin mal gespannt, wie sie spielt. Denkst du, Rhonda hört auf unsere Meinung und schickt sie auf die Bank, wenn wir sagen, dass sie nicht gut ist?«, neckte Karen.

»Ich habe sie erst ein paar Mal spielen sehen. Sie hat wegen ihres neuen Jobs als Lehrerin am Anfang der Saison einige Trainings verpasst. Wenn sie allerdings gespielt hat, war sie ziemlich gut«, sagte Julie.

»Das waren bestimmt die Spiele, die ich verpasst habe, weil ich arbeiten musste. Ich schau sie mir heute Abend mal genau an, und dann fällen wir unsere Entscheidung«, witzelte Karen.

In diesem Moment kamen die Spielerinnen zum Aufwärmtraining aufs Eis. Rhonda nahm ihren Platz im Tor ein. Sie war Captain des Rideau Rocket Frauen-Hockeyteams. Sie war eine gute Spielerin und liebte den Sport. Sie starteten das Tortraining, und eine nach der anderen schoss mit dem Puck aufs Tor. Karen hielt nach der neuen Spielerin Ausschau, um sie beurteilen zu können. Jessie trug die Nummer Neun. Auf jeden Fall skatet sie verdammt gut, dachte Karen. Die Rideau Rockets können sich glücklich schätzen, dass Jessie sie ausgewählt hat.

Just in diesem Moment sah die neue Spielerin auf und direkt in Karens Augen. Für einen kurzen Moment hielten sie einen elektrisierenden Blick.

Etwas Unbekanntes regte sich in Karen. Es war, als würde die neue Spielerin sie mit einem Zauber belegen.

Jessie, die erst seit Mitte September für das Team spielte, zeigte an diesem Abend ihre bis dato beste Leistung. Sie gab sich Mühe, um zu beeindrucken. Nicht nur das Team war von ihrer ausgesprochen guten Leistung positiv überrascht, nein, eine Zuschauerin im Publikum war mehr als nur ein wenig fasziniert von dieser neuen Spielerin in ihrem ach so vertrauten Team.

Karen konnte die Augen einfach nicht von Jessie abwenden. Als das Spiel vorbei war, lehnte sie sich zu Julie hinüber. »Du kannst Rhonda wissen lassen, dass ich der neuen Spielerin meinen Segen gebe. Sie scheint ein richtig guter Fang zu sein.«

»Nach dem heutigen Spiel ist sich Rhonda sicher darüber im Klaren, dass Jessie ein Gewinn für das Team ist.« Julie lächelte.

Sie standen auf, und nachdem sie sich voneinander verabschiedet hatten, ging Karen wie gewohnt nach Hause. Julie wartete immer auf Rhonda und die beiden Frauen gingen gemeinsam nach Hause.

An diesem Abend hatte Karen Schwierigkeiten einzuschlafen. In ihrem Kopf hatte sie immer wieder den Moment vor sich, als sich ihre Augen mit denen der neuen Spielerin getroffen hatten. Keine von beiden hatte den Blick gesenkt. Und Karen interessierte sich für die geheimnisvolle neue Frau im Hockey-Team. Wer war sie? Sie würde sich in dieser Saison so viele Spiele wie möglich ansehen.


In den nächsten Wochen sah sich Karen zwei weitere Spiele an. Ihre Augen waren dabei jedes Mal fest auf die Spielerin Nummer Neun geheftet. Der Donnerstag wurde zum wichtigsten Tag ihrer Woche.

An diesem Donnerstag hatte das Rideau Rockets Team einen starken Gegner aus Kingston, der auch noch Tabellenführer war. Karen erwischte sich dabei, wie sie während des Abendessens immer wieder auf die Uhr sah. Die Zeit schien einfach nicht vergehen zu wollen. Zehn Minuten fühlten sich an wie dreißig. Sie konnte es kaum erwarten zu sehen, ob Jessie heute spielte. Sie war sich nicht sicher warum, hatte aber eine unglaubliche Faszination für die neue Spielerin entwickelt. Seit jenem kurzen Moment während des Spieles vor drei Wochen, den sie miteinander geteilt hatten, empfand Karen eine gewisse Erregung, die sie sich nicht erklären konnte und die sie nicht verstand.

Endlich war es Zeit aufzubrechen. Nachdem sie ihr Haar noch ein letztes Mal im Spiegel überprüft hatte, trat sie aus der Tür. Während der Fahrt hörte sie die lokalen Sportnachrichten.

»Die Mädchenmannschaft der Thousand Island Mittelschule holte sich im gestrigen Basketball Turnier gegen die Windsor Pirates High School den Sieg«, verkündete der Ansager. »Die neue Trainerin, Miss Carmichael, lässt das Team zu ganz neuen Höhen auflaufen. Miss Carmichael kommt aus einer kleinen Gemeinde im Nordwesten namens Mattawa. Sie hat sich als ziemlich gute Trainerin für unsere jungen Damen erwiesen, die alle zu ihr aufblicken und sie respektieren. Gut gemacht, Miss Carmichael.«

Karens Gedanken schweiften ab und sie hörte den Nachrichten nicht mehr zu. Stattdessen sah sie vor ihrem inneren Auge Jessie auf dem Platz – wie sie sich und ihr Team ohne Zögern zum Sieg führte. Ich bin mir fast sicher, dass Sophie auch für dieses Basketball-Team spielt, dachte sie bei sich und beschloss, ihre Nichte gleich am nächsten Morgen anzurufen, um es herauszufinden.

Karen kam an der Arena an und konnte sich gar nicht mehr an die Fahrt in die Stadt erinnern. Sie parkte ihren Wagen. Sie war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie jetzt überrascht war, schon angekommen zu sein.

In der Arena fand sie Julie auf ihrem üblichen Platz auf der Tribüne.

»Hi, Julie.« Sie umarmten sich und gaben sich zur Begrüßung einen Kuss.

Und schon zehn Minuten, nachdem Karen angekommen war, liefen die Eishockey- Spielerinnen zum Aufwärmen auf das Eis. Karen hielt intensiv nach Jessie Ausschau. Wo ist sie? Wo ist sie? Ah, da! Gut, sie hat es geschafft, herzukommen! Sie hatte schon befürchtet, dass Jessie es nach der ganzen Herumreiserei mit dem Basketballteam nicht zum Hockeyturnier schaffen würde . . . wenn denn Jessie und die ominöse Miss Carmichael tatsächlich ein und dieselbe Person waren.

Jetzt, nachdem sie wusste, dass die Nummer Neun da war, atmete Karen auf und entspannte sich.

Karen dabei zuzusehen, wie sie Jessie beobachtete, amüsierte Julie. Es war so, als würde sie ihr dabei zusehen, wie sie beim Einkaufen von dieser einen, wahnsinnig begehrenswerten Sache in Versuchung gebracht wurde, von der sie genau wusste, dass sie sie besser nicht haben sollte. Trotzdem konnte sie sich nicht helfen und verschlang Jessie mit den Augen, wenn sie sich unbeobachtet fühlte . . .


Jessie sah zur Tribüne auf, um nachzusehen, ob Karen es zum Spiel geschafft hatte. Sie war noch nicht gut genug mit den anderen Frauen im Team befreundet, als dass sie einfach so hätte fragen mögen. Sie wollte wirklich keine zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich und ihr Privatleben ziehen. Schließlich war sie Lehrerin, und öffentlich zu ihren sexuellen Vorlieben zu stehen, konnte sich negativ auf ihre Karriere auswirken.

Sie sah Karen an ihrem üblichen Platz neben Julie. Jessie beobachtete Karen, wann immer sie konnte, in der Hoffnung, sie würde auch zu ihr herschauen. Endlich trafen sich ihre Blicke, und es war unglaublich, wie viel Intensität und Wärme darin lagen.

Einen Moment lang vergaß Jessie, wo sie war, und wurde vom Puck seitlich am Fuß getroffen. Das brachte sie auf das Eis und zum Spiel zurück.


Karen musste Jessie einfach ein breites Lächeln schenken. Sie konnte nicht anders und bemerkte es noch nicht einmal.

»Julie, hast du nicht gesagt, Jessie sei neu in der Stadt?«

»Ja, sie ist Ende letzten Sommers hergezogen. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres.«

»Ja, genau. Du sagtest, sie unterrichtet an der Thousand Island Mittelschule?«

»Ach, Karen. Erinnerst du dich denn nicht? Ich hab dir gesagt, dass sie Sport unterrichtet. Also, entweder hörst du mir gar nicht zu oder es macht dir Spaß, dich ständig über die Nummer Neun zu unterhalten.«

Karen wurde klar, dass das, was Julie da sagte, stimmte. Sie wollte die ganze Zeit über Jessie reden. Sie erinnerte sich an alles, was sie jemals über Jessie erfahren hatte, und trotzdem wollte sie es immer wieder hören. Sie wusste nicht viel über Jessie und hoffte deswegen immer, Julie würde ihr etwas Neues über die Nummer Neun zu erzählen haben. Immerhin spielte Rhonda im selben Team mit ihr.

»Ha, sehr lustig! Natürlich höre ich dir zu. Du hast nur nie Jessies Nachnamen erwähnt.«

»Ich glaube, dass Rhonda mal gesagt hat, ihr Nachname sei Carmichael, Jessie Carmichael.« »Das würde hinkommen«, bestätigte Karen mit Überzeugung.

»Was würde hinkommen?«

»Als ich heute hergefahren bin, liefen die Sportnachrichten, und es wurde erwähnt, dass sie gestern mit der Basketball-Mädchenmannschaft der Thousand-Island-Mittelschule das Turnier in Windsor gewonnen hat.«

Julie nickte. »Ja, das hört sich nach ein und derselben Miss Jessie Carmichael an.«

Karen strahlte. Jessie Carmichael, dachte Karen. Der Name gefällt mir.

+ Bewertung

Hinweis: HTML ist nicht verfügbar!
    Weniger Gut           Gut

K. T. Talbot: Befreite Gefühle

  • Hersteller édition el!es
  • Artikelnr. 978-3-95609-146-9
  • Verfügbarkeit Lagernd
  • 15,90€

  • Netto 14,86€

Empfehlungen

Ruth Gogoll: Augenblicke der Liebe

Ruth Gogoll: Augenblicke der Liebe

Die in den Bänden Augenblicke der Liebe 1-4 erschienen Geschichten von Ruth Gogoll sind in diesem eb..

8,99€ Netto 7,55€

Ruth Gogoll: Widerstand ist zwecklos

Ruth Gogoll: Widerstand ist zwecklos

Drei galaktische Geschichten in einem BandEin Handyroman, eine Fanfiction und ein utopisches Experim..

15,90€ Netto 14,86€

Catherine Fox: Love Message

Catherine Fox: Love Message

Ruby findet eine Ballonnachricht mit einer Liebesbotschaft, die zu Herzen geht. Obwohl es leichter s..

3,95€ Netto 3,69€