• Claudia Lütje: Ein Stück vom Himmel

An einem stürmischen Tag schneit Sarah plötzlich in Maries Leben, weil sie vom Regen durchweicht vor ihrer Tür steht und eine Adresse sucht, die es nicht gibt. Sarah ist Stewardess und bringt Maries ruhiges Leben als Anwältin mit ihren blauen Augen völlig durcheinander. Doch dann stellt sich heraus, dass Sarah ihre eigenen Probleme hat. Marie versucht ihr zu helfen, aber will Sarah das überhaupt?

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Eckdaten
Format Taschenbuch
Seiten 240
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1

»Verflixt nochmal, können Sie nicht aufpassen, wo Sie hinlaufen?« Erbost bückte Marie sich nach ihren Einkäufen, die sich eben auf dem Boden verteilt hatten.

So ein Mist! Da hatte sie ohnehin schon keine Lust gehabt, einkaufen zu gehen, dann regnete es auch noch in Strömen, sie hatte mit dem Schirm und ihren Einkaufstaschen gekämpft, und zu allem Überfluss rempelte sie noch irgend so ein Idiot an!

»Sie könnten mir wenigstens helfen, statt nur dumm herumzustehen!«, fügte sie schnaubend hinzu, während sie Spaghetti und Bananen zusammenklaubte. Trotz ihres scharfen Tons erfolgte jedoch keinerlei Reaktion. Das machte sie nur noch wütender, und sie richtete sich mit einer heftigen Bewegung auf. »Also hören Sie mal –«

Zwei weit aufgerissene blaue Augen starrten sie erschrocken an.

Obwohl sie eben noch so wütend gewesen war, konnte sie auf einmal nicht mehr weiterschimpfen. Irgendetwas in diesen Augen besänftigte sie.

Die junge Frau vor ihr ließ ihren Koffer los, jagte ein paar Äpfeln nach, die vom Wind abgetrieben worden waren, fing sie ein, kam zu Marie zurück und hielt ihr das Obst entgegen. »Es tut mir so leid, ich habe Sie nicht gesehen.«

Maries Blick wanderte von den sanften Augen hinunter auf die schmalen, gepflegten Hände mit dem fast unsichtbaren Nagellack. Schöne Hände, die bestimmt – Sie rief sich selbst zur Ordnung, riss sich zusammen und lächelte schief. »Bei dem Wetter sieht man auch schlecht. Kann jedem passieren. Ich habe wohl auch nicht aufgepasst.« Obwohl das Obst triefte und sie sich über sich selbst wunderte, weil sie eben noch so wütend gewesen war und nun plötzlich alles verraucht schien, kam es ihr auf einmal so vor, als wäre die Sonne aufgegangen.

Die junge Frau war in eine Uniform gekleidet, doch wie eine Polizistin sah sie nicht aus. Maries Blick schweifte weiter zu dem großen Koffer, der hinter ihr auf dem Bürgersteig stand, dem kleineren Rollenkoffer und der Handtasche, die darauf befestigt war. Jetzt erst erkannte sie die Uniform einer Stewardess.

Allerdings sah die mittlerweile ziemlich durchnässt aus, ebenso wie Haare und Gesicht der jungen Frau. Sie schaute sich um, dann kehrten ihre blauen Augen zu Marie zurück. »Sie kennen nicht zufällig Saskia Winter?« Sie seufzte. »Ich kann bei ihr übernachten, aber ich finde die Adresse nicht. Es müsste eigentlich hier irgendwo sein.« Sie streckte Marie einen durchweichten Zettel entgegen.

Marie schüttelte den Kopf. »Nein, tut mir leid. Eine Saskia kenne ich nicht. Und die Straße gibt es hier in der Gegend auch nicht. Sind Sie sicher, dass Sie in der richtigen Stadt sind?«

Etwas resigniert lachte die junge Frau auf. »Sie haben Recht. In meinem Beruf kann man da schon einmal durcheinanderkommen.«

»Oh, ich wollte nicht Ihren Orientierungssinn in Frage stellen.« Marie schmunzelte. »Aber ich glaube, wir sollten das nicht hier auf der Straße diskutieren. Viel nasser können wir zwar nicht werden«, sie verzog leidend das Gesicht, »aber ich würde vorschlagen, Sie kommen erst einmal mit zu mir hoch. Dann setzen wir das Gespräch in einem etwas trockneren Zustand fort, und vielleicht können wir gemeinsam Ihre Freundin finden.«

Die junge Frau schaute sie zweifelnd an. »Eigentlich habe ich Ihnen ja schon genug Ärger gemacht. Ich möchte Sie nicht belästigen.«

»Ich möchte vor allen Dingen nicht mehr länger im Regen stehen.« Marie steckte ihren Schlüssel ins Schloss der schweren Haustür und schob sie auf. »Kommen Sie?«

Etwas zögernd zog die blonde Stewardess ihre Koffer ins Haus hinein und folgte Marie den Gang entlang zum Aufzug.

Sie fuhren in den sechsten Stock, und Marie war froh, als sie endlich in ihrer Wohnung waren und sie die Einkaufstaschen abstellen konnte. Sie zog ihre nasse Jacke aus und hängte sie auf einen Bügel an der Garderobe. »Geben Sie mir Ihre?« Sie streckte den Arm aus.

Die junge Frau stand etwas verloren neben ihren Koffern, aber bei Maries Aufforderung kam doch Leben in sie. Sie schlüpfte aus ihrer Jacke, und Marie konnte nicht umhin, ihre eleganten und fließenden Bewegungen zu bewundern. Sie griff nach der Jacke, wandte sich schnell ab und hängte sie neben ihre eigene. Eine Uniform hatte dort noch nie gehangen, das war etwas Neues.

»Ich ziehe mir schnell etwas Trockenes an.« Sie drehte sich zu ihrer Besucherin um. »Sie können gern meine Dusche benutzen, wenn Sie wollen.« Einladend wies sie nach rechts. »Das Bad ist hier.« Sie lächelte. »Wenn Sie fertig sind, können wir dann zusammen Tee trinken. Ich glaube, etwas Warmes tut uns beiden gut.«

Ein schüchternes Lächeln antwortete ihr. »Ich mache Ihnen wirklich viel zu viel Mühe.«

»Gar nicht«, widersprach Marie. Du kannst mir gar keine Mühe machen, dachte sie. Schon dein Anblick entschädigt mich dafür. »Frische Handtücher liegen im Regal. Fühlen Sie sich wie zu Hause.« Sie lächelte noch einmal, drehte sich um und ging ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen.

Schnell entledigte sie sich der nassen Kleidung und nahm trockene aus dem Schrank. Für einen Moment verharrte sie. Was für eine wunderschöne Frau, dachte sie lächelnd. Und das an einem so hässlichen Tag. Das Leben hält doch immer wieder Überraschungen bereit.

Immer noch lächelnd zog sie sich an, ging in die Küche, verstaute ihre Einkäufe und setzte Teewasser auf.

»Es tut mir wirklich leid, dass ich Ihnen so viele Umstände mache.« Die weiche Stimme in ihrem Rücken ließ Marie zu der jungen Frau herumfahren, die in der Tür stand und sie freundlich lächelnd beobachtete. Sie trug nun keine Uniform mehr, sondern ein T-Shirt und eine schlichte Hose.

»Tun Sie nicht, das sagte ich doch schon.« Marie lächelte zurück, sie konnte gar nicht anders. Das Lächeln der blondgelockten Schönheit rief automatisch diese Reaktion in ihr hervor.

Sie war es sicherlich gewöhnt zu lächeln, das gehörte zu ihrem Beruf, aber dieses Lächeln hier hatte nichts Professionelles, es war ganz persönlich.

»Setzen Sie sich.« Marie stellte zwei Tassen auf den Tisch. »Leider nur Beuteltee, ich hoffe, das macht nichts.«

Wenn das überhaupt möglich war, wurde das Lächeln der charmanten Besucherin noch bezaubernder. »Den serviere ich jeden Tag ungefähr tausendmal. Gibt es auch noch anderen?« Das Blitzen in ihren Augen zeigte an, dass das keine ernsthafte Frage war.

Marie lachte. »Ja, ich vergaß. In Flugzeugen gibt es wohl nichts anderes.«

»Entschuldigung«, sagte die junge Frau plötzlich. »Sie laden mich so einfach in Ihre Wohnung ein, und ich habe mich noch nicht einmal vorgestellt.« Sie streckte die Hand aus. »Sarah Hartmann.«

»Ja, wir sind so plötzlich zusammengestoßen, dass dafür keine Zeit blieb.« Marie lachte erneut und nahm die Hand. »Marie Petersen.« Sie setzte sich Sarah gegenüber und hob ihre Tasse. »Dann wollen wir uns mal aufwärmen, bevor der nächste Sturm kommt.«

»Ach, die Dusche war schon herrlich warm.« Sarahs Gesicht bekam einen fast schwärmerischen Ausdruck. »Das ist eins vom Schönsten nach einem langen Flug: endlich unter die Dusche.«

Die Vorstellung von Sarah unter der Dusche machte Marie etwas unruhig. Denn sicherlich hatte sie nicht in Uniform geduscht. Sie versuchte das Bild aus ihren Gedanken zu vertreiben. »Fliegen Sie schon lange?«, fragte sie hastig, um Sarah die Uniform in Gedanken wieder anzuziehen.

»Ein Leben lang.« Sarah winkte leicht lachend ab. »So kommt es mir jedenfalls vor.«

Marie konnte nicht anders, sie musste einfach schmunzeln. »So sehen Sie aber gar nicht aus. Oder werden Stewardessen zu Beginn der Dienstzeit eingefroren?«

Diesmal lachte Sarah laut. »Nicht, dass ich wüsste.« Ihre himmelblauen Augen hielten Maries einen kurzen Augenblick fest. »Du hast nicht zufällig einen Trockner? Für meine Uniform.«

Marie schluckte. Nicht die Frage nach dem Trockner irritierte sie, sondern das unvermittelte Du. »Kann man die einfach so da reinstecken?«, fragte sie.

Sarah nickte. »Ja, das geht schon. Leider muss ich morgen früh sehr früh wieder los, und ich befürchte, dass ich sie anders nicht so schnell trocken bekomme.«

In Maries Kopf begann sich einiges zu drehen. Hatte Sarah gerade angedeutet, dass sie hier übernachten wollte? Sie traute sich kaum, Sarah direkt anzuschauen. Vor dem Duschen hatte sie noch Make-up getragen, aber jetzt trug sie keins mehr, und es kam Marie so vor, als wirkten ihre Augen dadurch noch intensiver.

»Und?« Sarah hob die Augenbrauen.

»Was . . . und?« Marie hörte, dass ihre Stimme fast krächzend klang. Sie räusperte sich.

»Hast du einen Trockner?«

Fast fiel Marie ein Stein vom Herzen, dass sich Sarahs Frage nur auf den Trockner bezogen hatte. »Ja.« Sie nickte. »Habe ich.« Sie wies auf eine Ecke in der Küche. Ein schiefes Lächeln schlich sich in ihre Mundwinkel. »Leider habe ich keinerlei Erfahrung mit Uniformen.«

»Das mache ich schon.« Sarah stand auf, holte ihre Uniform und packte sie in den Trockner, schaute kurz auf die Bedienelemente und schaltete ihn an. Sie lachte leicht, als sie sich zu Marie umdrehte. »Ich weiß nicht, in wie vielen Ländern ich das schon gemacht habe.«

»In erster Linie in den nassen vermutlich«, erwiderte Marie unvermutet keck. Es war ihr einfach so in den Sinn gekommen. Sie konnte sich kaum von Sarahs lachenden Augen lösen, von ihrem schönen Gesicht, von ihrer zauberhaften Ausstrahlung.

Wieder lachte Sarah, und Marie ging dieses Lachen durch und durch, ebenso wie ihr ganzer Anblick, ihre Gegenwart, einfach nur, dass sie hier war. »Du siehst fast zu ernst aus für so eine Bemerkung«, sagte sie, und eine kleine Frage klang in ihrem Satz mit.

Marie zuckte die Schultern. »Ich bin Anwältin, also sollte ich wohl ernst sein, das ist wahr, aber ich glaube, du –« Es war so ungewohnt, dass sie abbrach, aber beinah überhastet sprach sie weiter. »Du bringst mich anscheinend dazu.« Sie stand auf und ging zum Wasserkocher, was ihr erlaubte, Sarah den Rücken zuzukehren. »Was ist nun mit deiner Freundin?«, fragte sie und versuchte sich einen lockeren Anschein zu geben.

»Saskia ist nicht meine Freundin.«

Marie spürte die Erleichterung, die sich fast wie elektrischer Strom von ihren Füßen bis in ihren Kopf hocharbeitete. Warum? dachte sie. Warum bin ich erleichtert? Ich kenne sie doch gar nicht.

»Sie ist eine Kollegin von mir«, fuhr Sarah fort, »und hat mir angeboten, in ihrer Wohnung zu übernachten, wenn ich mal in Frankfurt bleiben muss. Ich wohne eigentlich in Hamburg.« Etwas resigniert atmete sie durch. »Aber nun scheint die Adresse nicht zu stimmen.«

»Telefonbuch?«, fragte Marie, hängte einen neuen Beutel in die Tasse und übergoss ihn mit Wasser.

Sarah schüttelte den Kopf. »Keine Chance. Sie hatte schon ein paar sehr unangenehme Stalker am Hals, die Stewardessen für Freiwild halten. Seitdem steht sie nicht mehr im Telefonbuch.«

»So ein paar Fälle hatte ich auch schon.« Marie nickte. »Da kann man leider nicht viel machen. Wir könnten die Straße online suchen. Falls sie tatsächlich in Frankfurt ist, könnte ich dich hinfahren, und wir schauen, ob wir das Haus finden.«

»Könnten wir«, sagte Sarah.

Marie spürte, wie etwas ihren Rücken heraufkroch und sich wie ein fremder Geist in ihrem Kopf festsetzte. »Aber eigentlich . . .«, fuhr sie zögernd fort, »ist das alles doch viel zu viel Aufwand. Wo du schon mal hier bist. Ich habe ein Gästezimmer.«

»Oh nein, nein.« Sarah hob abwehrend die Hände. »Das kann ich dir nicht zumuten, nach allem, was du schon für mich getan hast. Ich muss morgen um zehn nach fünf auf der Basis sein. Das ist viel zu früh. Ich würde dich wecken, wenn ich aufstehe und gehe. Das möchte ich nicht.«

»Ist doch nicht schlimm.« Marie winkte ab. »Ich habe eine Menge zu tun. Es macht gar nichts, wenn ich mal früher im Büro bin. Ich kann dich auch zum Flugplatz fahren.«

»Nein, wirklich nicht. Ich nehme mir ein Taxi.«

Marie stutzte. »Das heißt, du bleibst hier?«

Ein leichtes Lächeln hob Sarahs Mundwinkel. »Das habe ich nicht gesagt.«

»Okay.« Marie breitete leicht die Hände aus. »Es ist deine Entscheidung. Ich will dich zu nichts zwingen, aber mein Gästezimmer steht dir jederzeit zur Verfügung.« Sie lächelte und stand auf. »Und jetzt werde ich mir auch noch eine Dusche gönnen. Irgendwie wird mir nicht warm.«

Das war eine glatte Lüge, denn ihr war warm genug, mehr als das, wenn sie Sarah ansah, aber genau deshalb wollte sie sich von ihr entfernen.

Vielleicht beruhigte sich dann ihr rasendes Herz wieder.

Obwohl sie nicht viel Hoffnung hatte.


Als sie nach einiger Zeit wieder aus dem Bad trat, empfing sie Stille, die nur vom gleichmäßigen Brummen des Trockners unterbrochen wurde. Ein kurzer Blick in die Küche, doch da war niemand.

Das Ungetüm von Koffer stand immer noch im Flur, also gegangen war Sarah wohl nicht. Warum sollte sie auch? Ihre Uniform musste ja erst trocken werden.

Ein wenig zögernd begab Marie sich durch den Flur ins Wohnzimmer. Dort fand sie Sarah auf dem Sofa. Die Beine unter sich angezogen und mit den Armen ihre Knie umschlingend saß sie da und starrte vor sich ins Dunkel der Nacht.

Als Marie den Lichtschalter betätigte, fuhr sie erschrocken zu ihr herum. »Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich mich ins Wohnzimmer gesetzt habe.«

Erneut ließ die sanfte Stimme einen Schauer über Maries Rücken laufen. »Natürlich nicht. Ich sagte ja, fühl dich wie zu Hause.« Sie lächelte Sarah an. »Ein Glas Wein vielleicht?«

Sarah nickte. »Gern.«

»Chardonnay?«, fragte Marie. Dann lachte sie. »Das ist eigentlich keine Frage. Ich habe gar nichts anderes da.«

»Kein sehr gut bestückter Weinkeller«, erwiderte Sarah schmunzelnd. »Wer hätte das gedacht?«

»Gar kein Weinkeller.« Marie zuckte die Schultern. »Mein Weinkeller ist der Kühlschrank.«

»Für Weißwein geht das ja«, sagte Sarah. »Irgendwie . . .«, sie lehnte sich leicht zurück und musterte Maries Gesicht, »dachte ich immer, dass Anwälte ein ganzes Haus voller Wein haben, um ihre Klienten zu beeindrucken.«

Sarahs eindringlicher Blick ließ Marie peinlich berührt zur Seite schauen. Nicht der Blick war ihr peinlich, aber ihre Reaktion darauf. Ihr ganzer Körper kribbelte. »So viele Klienten, die ich beeindrucken muss, habe ich nicht«, sagte sie. »Ganz zu schweigen von einem Haus. Ich hole den Wein.« Sie ging schnell in die Küche.

Dort stützte sie sich kurz am Kühlschrank ab, bevor sie ihn öffnete. Sarahs Anwesenheit machte sie fertig. Sie strahlte etwas aus, das in Marie wie in einer Glocke anschlug, sie in nicht enden wollende Vibrationen versetzte.

Ihr Arm zitterte, als sie die Tür des Kühlschranks aufzog und die Weinflasche herausnahm. Vielleicht war es doch am besten, Sarah rief sich ein Taxi, wenn ihre Uniform trocken war. Gleichzeitig wünschte sie sich, dass sie hierbleiben würde. Die ganze Nacht.

Sie schloss die Augen, weil Bilder in ihr aufstiegen, was in dieser Nacht geschehen würde. Sarahs wundervolle Lippen öffneten sich leicht –

»Kann ich dir helfen?«

Marie zuckte schwer zusammen, riss die Augen auf und blickte Sarah etwas schuldbewusst an, aber sie wusste ja nicht, was Marie eben durch den Sinn gegangen war. »Nein, nein«, antwortete sie so locker wie möglich. »Hab den Wein schon gefunden.« Sie hob die Flasche an. »Die Gläser sind im Wohnzimmer.«

Sarah blieb in der Küchentür stehen, und so hatte Marie keine andere Wahl, als ganz eng an ihr vorbeizugehen, was unweigerlich dazu führte, dass ihre Körper sich berührten. Sie blieb wie vom Blitz getroffen stehen. Auf einmal konnte sie sich nicht mehr rühren.

Sie standen sich gegenüber, ihre Augen versanken ineinander, und selbst das Rumpeln des Trockners schien auf einmal verschwunden. Es sangen nur noch Geigen.

Die Bilder, die Marie zuvor gerade mühsam aus ihren Gedanken verbannt hatte, kehrten zurück, sie fühlte sich magnetisch von Sarahs Lippen angezogen, und sie konnte sich nicht dagegen wehren, sie beugte sich vor.

Als ihre Lippen sich berührten, war es wie eine Explosion. Ihr wäre fast die Weinflasche aus der Hand gefallen. Sie krampfte ihre Finger um den Hals, nicht nur, um die Flasche festzuhalten, sondern weil sie sich gegen all das wehren wollte, was sie in einem Sekundenbruchteil überschwemmte.

Sie taten nichts weiter, ihre Hände blieben stumm, aber dafür sprachen ihre Lippen umso lauter. Mund verschweißte sich mit Mund, sie küssten sich mit solcher Inbrunst, dass Marie das Gefühl hatte, der Boden würde sich unter ihr öffnen, und sie hätte keinen Halt mehr.

Endlich lösten ihre Lippen sich voneinander, und sie atmeten beide tief durch. »Ich . . . tut mir leid. Das wollte ich nicht.« Marie stürmte geradezu ins Wohnzimmer und zu der Vitrine mit den Gläsern. Oh Gott, was habe ich getan? dachte sie verwirrt. Warum konnte ich mich nicht zurückhalten?

Sie war üblicherweise in jeder Situation Herrin der Lage, selbst wenn Klienten vor ihr in Tränen ausbrachen. Die kühle Anwältin, die immer den Überblick behielt, aber das hier – das war nicht gerade kühl gewesen. Sie hörte, wie Sarah hinter ihr ins Zimmer kam. »Tut mir leid«, wiederholte sie, ohne sich umzudrehen. »Wenn du jetzt gehen willst . . .«

»Ich will nicht gehen.« Sarahs Stimme klang tatsächlich kühl. Ganz anders, als Marie sich fühlte. »Ich hätte gern ein Glas Wein. Wie versprochen.«

Marie atmete mehrmals tief durch, dann öffnete sie die Vitrine, nahm zwei Gläser heraus, schloss kurz die Augen, um sich auf den Anblick vorzubereiten, und drehte sich um. Trotz dieser Vorbereitung erschlug sie Sarahs Anblick fast. Sie straffte ihre Schultern, ging zum Tisch, stellte die Gläser darauf ab und zog den Korken der Flasche heraus. Sie war schon offen gewesen, da sie gestern bereits ein Glas davon getrunken hatte.

Sorgfältig schenkte sie ein, konzentrierte sich ganz auf die Gläser, um Sarah nicht anschauen zu müssen. Statt ihr das Glas zu reichen, schob sie es auf dem Glastisch zur Seite der Couch hinüber und setzte sich selbst auf der anderen Seite des Tisches in einen Sessel. »Na dann«, sagte sie und hob lächelnd ihr Glas. »Auf Regen und Uniformen.«

Sarah setzte sich auf die Couch, nahm ihr Glas und prostete zurück. »Die Uniformen sind aus einem sehr schlechten Material, sonst hätte meine den Regen locker überstanden, also lohnt es sich nicht, darauf zu trinken.« Sie nahm einen Schluck. »Aber dieser Wein braucht keinen Trinkspruch. Er ist gut.«

»Freut mich«, sagte Marie und versuchte sich durch den kühlen Wein selbst abzukühlen, indem sie einen großen Schluck nahm. »Ich gebe mir Mühe.«

»Das tust du«, erwiderte Sarah fast etwas nachdenklich. »In jeder Beziehung. Du musst eine gute Anwältin sein.«

»Ziemlich«, sagte Marie. Den Fokus zurück auf ihren Beruf zu lenken war eine gute Idee, das kühlte auf jeden Fall ab. Sie wusste, dass sie gut war, von falscher Bescheidenheit hielt sie nichts. Das hätte sie im Gerichtssaal nur angreifbar gemacht. »Allerdings«, sie lachte leicht, »sind viele Anwälte so schlecht, dass ich mir manchmal gar nicht so viel Mühe geben muss. Ich komme immer gut vorbereitet in Verhandlungen, und es ist erschreckend, wie schlecht vorbereitet oft die anderen sind.«

»Ja, Vorbereitung ist alles«, stimmte Sarah zu, nippte an ihrem Wein, lehnte sich auf der Couch zurück und zog ihre Beine unter sich. »In meinem Beruf auch. Wenn uns bei einem Langstreckenflug irgendetwas ausgeht, sind die Passagiere verärgert. Das können wir uns nicht leisten.«

Langsam fühlte Marie, wie ihr Puls sich beruhigte. Nicht ganz, aber doch ein bisschen. »Hast du einen Langstreckenflug morgen?«

»Nein.« Sarah schüttelte den Kopf. »Das ist eine Frühaufstehertour.«

»Bei Langstreckenflügen muss man nicht früh aufstehen?« Marie hob verwundert die Augenbrauen.

»Doch, doch.« Sarah lachte. »Manchmal schon. Entschuldige, das ist Fliegerjargon. Eine Frühaustehertour bezeichnet eine Kurzstreckentour, die eben extrem früh beginnt. Deshalb konnte ich nicht morgen von Hamburg anreisen, sondern musste schon heute Abend kommen.«

»Und wohin fliegst du morgen?«

»Barcelona.« Sarah nippte erneut an ihrem Wein. »Es ist eine Fünftagestour quer durch Europa. Nach Barcelona übernachte ich dann in London, Moskau und Birmingham.«

»Jeden Tag woanders.« Marie holte tief Luft. »Und jede Nacht. Das muss anstrengend sein.«

»Ist es.« Sarah nickte. »Viel Arbeit.«

Marie schmunzelte. »Und ich dachte immer, Stewardess ist ein Traumjob.«

»Es ist meiner«, sagte Sarah. »Aber bei Kurzstrecken geht es ja immer hin und her, und die Flieger sind auch meistens voll. Vor Ort hat man dann nur die Minimum-Ruhezeit, und die braucht man auch, um mal ein wenig runterzukommen. Tja, und dann geht es schon weiter.«

»Hart«, sagte Marie. »So was stellt man sich nicht vor, wenn man selbst im Flieger sitzt.«

»Es gibt ja zum Glück nicht nur diese Touren.« Sarah lächelte wieder ihr bezauberndes Lächeln, und Maries Herz begann erneut zu rasen.

Ich wünschte, sie würde das lassen, dachte sie, aber vermutlich war es für Sarah das Selbstverständlichste auf der Welt, wenn sie dieses Lächeln jeden Tag von morgens bis abends auf dem Gesicht tragen musste, jedem fremden Menschen gegenüber, ob sie ihn mochte oder nicht.

»Ich fliege auch oft genug Langstrecke«, fuhr sie fort, »und da hat man doch mal Zeit, sich etwas anzusehen. Dann kann ich auch ganz normal von Hamburg aus anreisen und brauche mir keine Übernachtung hier in Frankfurt zu suchen.«

»Was ist denn mit Hotels, davon gibt es hier doch genug, oder?« Marie hob fragend die Augenbrauen.

»Ja, schon.« Sarah seufzte. »Aber im Moment ist gerade Messe, und da ist es extrem schwer, an ein Zimmer zu kommen, das auch noch bezahlbar ist.«

Erstaunt blickte Marie sie an. »Zahlt das nicht deine Firma?«

Sarah lachte belustigt auf. »Oh nein, warum sollte sie? Es ist mein Privatvergnügen, dass ich nicht in Frankfurt wohne, sondern in Hamburg. Eigentlich sollte ich hier in der Gegend eine Wohnung haben oder zumindest eine Wohnmöglichkeit. Daher war das Angebot von Saskia auch meine Rettung, denn auf der Basis darf man nicht übernachten.«

»Das hätte ich nicht gedacht.« Marie schüttelte den Kopf. »Dass ihr nicht auf der Basis übernachten dürft, wenn ihr so früh antreten müsst.«

»Ist eben so.« Sarah zuckte die Schultern.

»Nach Frankfurt zu ziehen wäre keine Alternative für dich?« Marie versuchte sich zu entspannen, lehnte sich im Sessel zurück und schlug die Beine übereinander.

Sarahs Gesicht verschloss sich. »Nein«, entgegnete sie knapp. »Meistens klappt es ja auch ganz gut. Auch wenn ich so oft shutteln muss.«

Marie spürte, dass da irgendetwas war, worüber Sarah nicht sprechen wollte, aber sie war wohl kaum in der Position, da nachzuhaken, wie sie es bei einer Zeugin vor Gericht getan hätte.

»Ich muss morgen zu einem Termin nach Wiesbaden«, bemerkte sie kopfschüttelnd. »Und das ist mir manchmal schon zu viel.« Sie lächelte ungläubig. »So ein Leben wie deins könnte ich mir gar nicht vorstellen. Ich muss abends in meinem eigenen Bett liegen, sonst kann ich nicht schlafen.«

»Fährst du nie in Urlaub?«

»Urlaub? Was ist das?« Marie lachte leicht. »Ja, in der Tat. Wenn du so fragst . . . Ich mache eigentlich nie Urlaub. Habe einfach zu viel zu tun.«

»Da bist du wohl so wie diese Anwältinnen aus dem Fernsehen, vielbeschäftigt mit deiner ganz persönlichen Assistentin, die dir morgens den Kaffee bringt, wenn du ins Büro kommst.«

»So ähnlich.« Marie lachte. »Sie bringt mir Tee. Und oft arbeite ich auch hier zuhause. Neben dem Gästezimmer habe ich noch ein Arbeitszimmer. Das war mit ein Grund, warum ich diese Wohnung gekauft habe. Sie hat genau die richtige Aufteilung. Und ist«, sie hob leicht eine Hand, um die Richtung anzuzeigen, »nicht weit von meiner Kanzlei entfernt.«

»Beeindruckend«, sagte Sarah. »Wie es scheint, bist du richtig erfolgreich. Eine Eigentumswohnung in dieser Gegend hier . . .«

»Ich kann nicht klagen«, entgegnete Marie. Nein, beruflich nicht, fügte sie in Gedanken hinzu. Mit ihrem Privatleben sah es da ganz anders aus.

Dass sie nie Urlaub machte, lag zwar einerseits durchaus daran, dass sie sehr beschäftigt war, aber ein wenig trug auch dazu bei, dass sie gar nicht wusste, mit wem sie hätte in Urlaub fahren sollen. Allein? Dann arbeitete sie lieber.

Sie warf einen versteckten Blick auf Sarah. Mit ihr morgen nach Barcelona zu fliegen, das wäre ein Traum gewesen. Selbst wenn sie sie nur bei der Arbeit hätte beobachten können.

Für einen kurzen Moment dachte sie darüber nach, einfach alles abzusagen und mitzufliegen. Aber nein. Sie seufzte innerlich. Sie hatte morgen einen wichtigen Termin vor Gericht, den konnte sie nicht verschieben. Schon gar nicht so plötzlich. Der Richter mochte sie ohnehin nicht, und so hätte sie gleich verloren.

»Also?«, sagte sie und tat so, als hätte sie nur ganz harmlos nachgedacht. »Von Birmingham kommst du dann wieder nach Frankfurt zurück? Hast du dann frei, oder fliegst du gleich weiter?«

»Ich habe ein paar Tage frei.« Sarah umfasste ihr Weinglas mit beiden Händen, als müsste sie sich daran festhalten. »Von Birmingham fliege ich direkt nach Hamburg.«

»Ah ja, natürlich. Nach Hause.« Marie wollte nicht daran denken, aber sie konnte es nicht verhindern. Worin bestand Sarahs Zuhause? Mann, Kinder?

Unwillkürlich glitt ihr Blick über Sarahs schlanke Figur. Nein, keine Kinder. Ihre Taille war so schmal wie die eines jungen Mädchens. Und eigentlich war sie das ja auch. Höchstens Mitte zwanzig. Einen Ring trug sie auch nicht, aber das hieß ja nichts.

»Ja, nach Hause«, wiederholte Sarah geistesabwesend, führte das Glas zum Mund und trank sehr langsam daraus.

»Da erholt man sich wahrscheinlich am besten.« Marie lachte leicht. »Ich würde das auf jeden Fall tun, aber ich bin ja auch nicht oft weg. Höchstens beruflich mal.«

»Schon merkwürdig.« Sinnierend schüttelte Sarah den Kopf. »Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, einen Beruf zu haben, bei dem man immer am Boden ist. Am selben Ort. Das kommt mir ganz ungewöhnlich vor.«

»Für die meisten ist es wohl eher gewöhnlich«, sagte Marie. »Und jeden Tag in der Weltgeschichte herumzufliegen ist eher exotisch.«

Sarah zuckte die Achseln. »Nicht so exotisch, wenn man einmal daran gewöhnt ist. Es ist ein Arbeitsplatz.«

»Sicher«, sagte Marie. »Und wo wir gerade von Arbeit sprechen: Ich glaube, der Trockner ist fertig.«

Sarah starrte sie an, als hätte sie sie nicht verstanden.

»Der Trockner?«, wiederholte Marie. »Deine Uniform?«

»Oh. Ja. Meine Uniform. Sie ist trocken. Dann . . .«, Sarah zögerte, »könnte ich ja gehen.«

Es war wie ein Stich in Maries Herz. Sie hatte das nicht erwartet. Nicht so heftig. Fast musste sie nach Luft schnappen. Sie unterdrückte den Reflex gerade noch und antwortete beherrscht: »Richtig. Soll ich dir ein Taxi rufen?«

Sarah breitete hilflos die Arme aus. »Wohin? Die Hotels sind voll, und ob ich Saskias Wohnung jemals finde . . .«

»Mein Gästezimmer wird viel zu selten benutzt«, bot Marie erneut an. »Eigentlich könntest du es immer benutzen, wenn du in Frankfurt bist und hier eine Übernachtungsmöglichkeit brauchst.«

Wow, das war eine kühne Aussage. Ihr brach sogar innerlich der Schweiß aus. Sie hatte manchmal solche Ideen vor Gericht, aber privat hielt sie sich eher damit zurück. Es gehörte mehr zu ihrem beruflichen als zu ihrem persönlichen Leben.

»Das ist . . .« Sarah starrte sie vollkommen verblüfft an. »Das ist sehr nett von dir, aber das kann ich nicht annehmen. Wir kennen uns überhaupt nicht, ich will dir keine weiteren Umstände machen.«

»Ich wiederhole mich nicht gern«, sagte Marie, »aber ich weise noch einmal darauf hin, dass das keine Umstände sind.« Wer könnte eine schöne, eine hinreißende Frau im eigenen Gästezimmer als unangenehmen Umstand betrachten? dachte sie. Das ist mehr wie ein wahrgewordener Traum. »Aber jetzt sollte deine Uniform wohl erst einmal aus dem Trockner, bevor sie denkt, wir haben sie vergessen.« Sie stand auf und ging in die Küche. Eine Minute Ruhe, in der sie sich von Sarahs Anblick erholen konnte.

Als sie die Trocknertür öffnete und die Uniform herausnahm, hätte sie fast ihre Nase hineingesteckt, um das, was von Sarahs Duft daran haftete, in sich aufzunehmen. Stattdessen legte sie sie jedoch nur vor sich auf die Abdeckung.

»Danke«, sagte Sarah. Sie trat hinter Marie, griff an ihr vorbei und wollte die Uniform an sich nehmen.

Ihre Brüste streiften Maries Rücken, und Marie erstarrte.

Erstaunlicherweise erstarrte auch Sarah. »Ich würde wirklich gern hierbleiben«, wisperte sie nach einer atemlosen Sekunde in Maries Ohr. »Aber nicht in deinem Gästezimmer.«

»Sarah . . .« Marie erkannte ihre eigene Stimme kaum wieder. »Du hast keinerlei Verpflichtung –«

»Natürlich nicht.« Sarah lachte leise. »Daran habe ich nun wirklich überhaupt nicht gedacht.« Sie ließ die Uniform zurück auf die Abdeckung gleiten und legte ihre Arme um Marie. »Ich habe es gespürt«, flüsterte sie. »Als wir uns küssten. Und auch schon davor. Danach. Die ganze Zeit.«

Marie starrte vor sich an die Wand, fühlte Sarahs weiche Brüste an ihrem Rücken, bemerkte, wie ihre eigenen Brustwarzen hart wurden. Sie wollten beide dasselbe. Warum wehrte sie sich so?

Sarahs sanfte Lippen berührten ihren Nacken. Marie fühlte die Gänsehaut aus ihrer Haut springen, als hätte sie einen Schalter umgelegt. »Was tust du da?«, hauchte sie schwach.

»Ich tue alles für einen Schlafplatz.« Sarah lachte leise. »Nimm das bitte nicht wörtlich. Es sollte nur ein Scherz sein.« Ihre Hände legten sich auf Maries Brüste. »Du willst es doch auch.«

In einem letzten Versuch, vernünftig zu erscheinen, räusperte Marie sich und erwiderte in ihrer nüchternsten Anwältinnenstimme: »Du hast den Beweis buchstäblich in Händen. Und ich widerspreche handfesten Beweisen niemals. Das wäre unprofessionell.«

»Ich liebe Anwältinnen.« Sarah wirkte belustigt. »Ich meine, bisher habe ich noch keine gekannt, aber ich habe das Gefühl, das ändert sich gerade.«

»Dem stimme ich zu.« Immer noch versuchte Marie ihre Stimme zu kontrollieren, ihr nicht den überwältigten Klang zu geben, der aus ihrem Inneren aufstieg, aber es gelang ihr nicht.

Sarahs Hände fuhren in den Bund der Jogginghose, die Marie angezogen hatte, als sie von nassen in trockene Kleider wechselte, und schoben ihn hinunter. »Beug dich vor«, flüsterte sie rau.

Es fühlte sich an, als würde Maries Kopf gleich platzen. Sie tat, was Sarah von ihr verlangte, beugte sich vor und ließ sich von ihr Hose und Slip bis auf die Knöchel hinunterschieben. Kurz vor einer Ohnmacht schloss sie die Augen. Was Sarah mit ihr tat, hatte sie so noch nie erlebt. Es war, als ob sie keinen eigenen Willen mehr hätte.

»Wir hätten früher kommen sollen«, flüsterte Sarah. »Es ist unglaublich, wie es sich anfühlt, auf dem Trockner zu sitzen, wenn er noch läuft.«

»Jetzt«, Marie schluckte, »läuft er aber nicht mehr.«

»Es gibt ja noch andere Möglichkeiten.« Sarahs Hände streichelten ihren Po, glitten sanft zwischen ihre Schenkel. Dann auf einmal glitt sie an Marie hinunter, drückte ihre Beine weiter auseinander und machte dadurch den Weg frei für ihre Zunge.

Marie schrie leise auf. Sie hatte das Gefühl, sie hätte nur noch Pudding in den Knien, und das hier war nicht die geeignete Position, dem entgegenzuwirken. »Sarah . . .«, wisperte sie schwach. »Ich weiß nicht, wie lange ich das aushalte.«

»Leg dich einfach über den Trockner«, schlug Sarah ziemlich unbeeindruckt vor. »Dann kannst du ewig so liegen.«

Es blieb Marie gar nichts anderes übrig, als Sarahs Vorschlag zu folgen, denn die Puddingmasse in ihren Knien nahm zu. Sie lag also da, direkt auf Sarahs Uniform, und hatte so das Gefühl, Sarah wäre sowohl hinter als unter ihr.

»Sarah . . .«, hauchte sie wieder, aber dann hatte sie nicht einmal mehr dafür Luft. Sarah drang in sie ein, nahm sie mit einer Kraft, die Marie ihr nie zugetraut hätte, und versetzte sie in einen Taumel der Leidenschaft. Es war, als ob sich die Orgasmen so schnell ablösten wie ein Regentropfen den anderen.

Verzweifelt krallte Marie sich an den Rand der Abdeckung des Trockners, weil Sarah sie in immer gewaltigere Wellen ritt, wie ein Surfer, der genau weiß, wo die besten Punkte sind. Sie wusste nicht, wann sie das zum letzten Mal erlebt hatte. Hatte sie es überhaupt schon einmal erlebt?

Endlich blieb sie keuchend liegen, als Sarah sie verließ, sich über sie beugte und sie warm umfing. »Alles okay?«

Wenn sie die Kraft dazu gehabt hätte, hätte Marie am liebsten gelacht. »Okay? Das ist wohl kaum das richtige Wort dafür. Das war . . .«, sie versuchte sich aufzurichten, Sarah bemerkte es sofort und gab ihr Raum, und Marie drehte sich um, »unglaublich«, beendete sie den Satz, während sie in Sarahs Augen sah. »Einfach unbeschreiblich.«

»Schön?«, fragte Sarah.

»Habe ich das nicht gesagt?« Marie lächelte sie an, hob eine Hand und strich zärtlich über ihr Gesicht. »Du bist unglaublich«, fügte sie leise hinzu. »Als ob der Regen dich zu mir getrieben hätte, weil es so sein sollte.«

»Vielleicht sollte es so sein.« Sarahs Augen schimmerten gefühlvoll. »Regen ist schließlich eine Urgewalt. Wind und Wetter. Selbst die größten Flugzeuge sind nicht davor geschützt.«

Maries Finger wanderten zu Sarahs Mund. »Du bist wunderschön«, flüsterte sie. »Wunderwunderschön.« Ein Finger strich über Sarahs Lippen, und sie öffneten sich, griffen danach, umschlossen ihn.

Langsam entfernte Marie den Finger und ersetzte ihn durch ihre Zunge. Sie fühlte, wie Sarahs Zunge ihr entgegenkam, und presste sich gegen sie. »Mal sehen, wie du dich auf dem Trockner machst«, flüsterte sie erregt.

Ein Stöhnen kam aus Sarahs Mund.

»Ja, genau«, erwiderte Marie. »Setz dich.«

Sarah schob sich auf den Trockner, und diesmal war es Marie, die ihr Hose und Slip herunterzog. Sie schloss die Klappe und stellte den Trockner an.

»Das ist nicht gut, wenn er leer –«, setzte Sarah an, aber im nächsten Moment stöhnte sie erneut auf.

»Genieß es«, flüsterte Marie, und schon senkte sie ihr Gesicht zwischen Sarahs Schenkel.

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Claudia Lütje: Ein Stück vom Himmel

  • Hersteller édition el!es
  • Artikelnr. 978-3-95609-206-0
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