• Anne Wall: Auf einmal ist es Afrika

Fortsetzung des Romans »Immer diese Sehnsucht« von Anne Wall

Nachdem Andrea aus Deutschland eingetroffen ist, um endgültig bei Kerstin in Südafrika zu bleiben, scheint das Glück perfekt. Andrea beginnt bei einer Entwicklungshilfeorganisation zu arbeiten, und das erste gemeinsame Weihnachtsfest bei 40 Grad im Schatten rückt immer näher. Dann jedoch überschlagen sich die Ereignisse, und ein Buschbrand scheint alles zu zerstören. Werden sie das Weihnachtsfest tatsächlich erleben?

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Leseprobe:

Eckdaten
Format Taschenbuch
Seiten 92
Leseprobe

1

Mit weit aufgerissenem Maul und blitzenden Zähnen sprang der Löwe aus dem Busch direkt auf den Jeep zu.

Das Adrenalin jagte durch Kerstins Adern, sie riss das Steuer herum, der Wagen kam leicht ins Schleudern, es schien fast, als wollte er sich überschlagen.

»Das Gewehr!«, rief sie laut, während sie mit aller Kraft das Steuer festhielt.

Andrea drehte sich im Sitz um, und ihre Blicke huschten schnell durch die Kabine. Sie griff nach dem Gewehr, legte es an und schoss durch das offene Fenster in die Dunkelheit.

Dem lauten Knall folgte absolute Stille. Alles da draußen schien wie erstarrt, und auch die beiden Insassen des Fahrzeugs rührten sich nicht.

»Er scheint weg zu sein«, flüsterte Andrea nach einer gefühlten Ewigkeit.

»Kann man nie sagen.« Kerstins Stimme klang unterdrückt. »Ich wusste gar nicht, dass du schießen kannst.«

»Kann ich auch nicht. Aber als ich diese Zähne sah . . .« Andrea schüttelte sich leicht.

Offenbar hatten die Grillen sich von ihrem Schock erholt und begannen wieder zu zirpen.

Die Spannung fiel von Kerstin ab und sie lachte leise. »Na dann: Willkommen in Afrika! Das ist doch ein wunderbarer Einstieg für deinen ersten Abend.«

»Nein.« Andrea wandte ihr lächelnd das Gesicht zu. »Den wunderbarsten Einstieg hatte ich vorher – bis eben unter unserem Baum.«

Kerstin lächelte zurück. »Gut, dass der Löwe da nicht vorbeigekommen ist. Wir hätten ihn wohl kaum gehört.«

»Wohl kaum.« Andrea beugte sich zu ihr und hauchte einen Kuss auf ihre Lippen. »Aber es wäre der schönste Tod gewesen, den ich mir vorstellen kann.«

»Ich lebe lieber!« Mit dem für sie typischen hellen Lachen legte Kerstin den Gang ein. »Aber du hast natürlich Recht.« Ihr zärtlicher Blick streifte Andrea. »Wenn schon sterben, dann so.« Sie kurbelte ihr Fenster hoch, bevor sie losfuhr. »Sicherheitshalber.«

Andrea folgte ihrem Beispiel, behielt das Gewehr aber auf dem Schoß. Ihre Augen suchten den Weg vor ihnen ab, wo die Scheinwerferkegel ihn erhellten. Der Busch neben dem schmalen Lichtausschnitt war so tiefschwarz, dass man absolut nichts erkennen konnte.

Als eine Antilope plötzlich vor ihnen im Scheinwerferlicht auftauchte, riss Andrea das Gewehr hoch.

»Ruhig, ruhig.« Kerstin hielt an. »Die tut uns nichts.«

Die Antilope schien keine Eile zu haben. Sie drehte den Kopf und schaute direkt in das Licht, das sie anstrahlte.

Kerstin schaltete die Scheinwerfer aus. »Sie ist geblendet«, sagte sie leise. »Wir müssen kurz warten.«

Es dauerte etliche Sekunden, bis sie hörten, dass sich vor ihnen etwas bewegte.

»Ich hoffe, es ist nicht der Löwe.« Kerstin machte die Scheinwerfer wieder an. Es war nicht der Löwe. Sie sahen das Hinterteil der Antilope gemächlich in der Schwärze verschwinden.

»Meine Güte.« Andrea atmete aus, als hätte sie zwanghaft die Luft angehalten. »Du hast ja die Ruhe weg.«

Kerstin verzog die Lippen und fuhr weiter. »Das hat einige Zeit gedauert. Am Anfang bin ich bei jedem Geräusch zusammengezuckt.« Sie schaltete in den nächsten Gang. »Aber was man in Afrika braucht, ist vor allen Dingen ruhig Blut. Mit Aufgeregtheit kommt man hier nicht weiter.«

»Na, da bin ich ja am richtigen Ort gelandet!« Aufseufzend lehnte Andrea sich in den Sitz zurück. »Mit dem Termindruck, den ich gewöhnt bin, geht hier dann wahrscheinlich nichts.«

»Du hast es erfasst.« Kerstin lächelte sie liebevoll an. »Du hast hier keine andere Wahl als ruhiger zu werden, gelassener. Du musst abwarten und die Dinge auf dich zukommen lassen.«

»Dabei werde ich deine Hilfe brauchen.« Andrea drehte den Kopf zu ihr.

Kerstins Herz pochte laut. Das hatte es schon oft getan an diesem Abend nach Andreas Ankunft, aber diesmal pochte es aus einem anderen Grund. Es war das erste Mal, dass Andrea sie um Hilfe bat. »Das kriegen wir schon hin«, erwiderte sie lächelnd, und das Wir klang wunderbar in ihren Ohren.

Endlich gab es wieder ein Wir. Und es war auch nicht nur ein Wir für kurze Zeit, für einen wie im Fluge vergehenden Urlaub. Es war ein Wir für mindestens zwei Jahre. Auch das erschien kurz, aber Andreas Vertrag ließ sich bestimmt verlängern.

Weiter wagte Kerstin in diesem Moment nicht zu denken. »Ich liebe dich«, sagte sie weich, weil ihr Herz nun bis zum Hals schlug und die Worte einfach herausmussten.

Eine Weile war es still, und Kerstin dachte schon, sie wären zu jenen Zeiten zurückgekehrt, als Andrea diese drei Worte nicht aussprechen konnte.

Aber dann hörte sie, wie Andrea sich räusperte. »Du bist mein Leben«, erwiderte sie leise. »Ich war so einsam ohne dich.« Sie beugte sich zu Kerstin und legte ihre Lippen an ihr Ohr. »Es hat mir gefehlt, wie du riechst. Dein Duft ist unbeschreiblich süß«, wisperte sie. »Ich liebe ihn. Ich liebe einfach alles an dir.« Ihre Lippen begannen an Kerstins Ohrläppchen zu knabbern.

Kerstin lachte leicht, und trotz des verheißungsvollen Kribbelns, das Andreas Lippen in ihr auslösten, versuchte sie ihren Kopf zu drehen, um ihr Ohr aus deren Reichweite zu bringen. »Wir müssen nach Hause«, sagte sie. »Wir können hier nicht stehenbleiben. Es gibt noch mehr Raubtiere, die jetzt nach Beute suchen.«

»Wie schade, dass ich nicht das Raubtier sein darf und du die Beute«, sagte Andrea. »Oder umgekehrt.« Sie zog sich auf ihren Sitz zurück.

Mit einem Schmunzeln wandte Kerstin sich ihr zu. »Das Spiel können wir spielen, wenn wir wieder zu Hause sind.«

»Zu Hause . . .« Andreas Mundwinkel zuckten. »Früher haben wir damit unsere gemeinsame Wohnung gemeint, und auf einmal ist es Afrika.«

»Ja, die Dinge ändern sich.« Kerstin lächelte zärtlich. »Zum Guten, wie ich finde. Obwohl ich das immer noch nicht so recht glauben kann. Ich kann kaum glauben, dass du hier bist. Dass die letzten Stunden kein Traum waren.«

»Sie waren ein Traum.« Andrea strich sanft über Kerstins Wange. »Schon dich wiederzusehen war ein Traum. Du bist mein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Der einzige.«

Kerstin musste schlucken. Andreas romantische Ader war etwas völlig Neues für sie. Daran musste sie sich erst gewöhnen. »Du bist meine Traumfrau«, sagte sie mit belegter Stimme. »Warst du immer. Ich bin froh, dass du da bist.«

»Ich auch.« Andrea lächelte. »Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als bei dir zu sein.«

2

»Na, ihr zwei?« Pat kam grinsend in den Frühstücksraum. »Hattet ihr eine nette Wiedersehensfeier gestern?«

Die Augenbrauen hebend schenkte Kerstin ihr einen missbilligenden Blick. »Geht dich das irgendetwas an?«

»Nein.« Pat zog sich einen Stuhl vom Tisch und setzte sich zu ihnen. »Außerdem hätte ich gar nicht zu fragen brauchen. Man sieht es euch an.« Sie grinste noch mehr und musterte Kerstin und Andrea abwechselnd.

Andreas Gesicht wirkte ausdruckslos, aber Kerstin grinste zurück. »Neidisch, hm? Waren die neuen Touristinnen gestern Abend nicht entgegenkommend?«

Pat zuckte die Schultern. »Kommt Zeit, kommt Rat. Es muss ja nicht gleich am ersten Abend sein.« Ihr Grinsen kehrte zurück, und zwinkernd fügte sie hinzu: »Nicht bei jedem jedenfalls.«

Kerstin boxte sie auf den Arm. »Bei uns ist das ja wohl etwas anderes. Vergleich das nicht mit deinen . . . wechselnden Bekanntschaften.«

Pat lachte und stand auf. »Dann will ich euch zwei Turteltauben auch gar nicht länger stören.« Sie beugte sich zu Kerstin herunter. »Aber denk dran: noch ist nicht Weihnachten. Ein paar Tage müssen wir noch arbeiten.« Verabschiedend strich sie Kerstin über den Arm und ging in die Küche, um die Kühlboxen mit Essen und Getränken für den Ausflug in die Wüste zu holen, den sie gleich mit einem Wagen voller Touristen machen würde.

Andrea schaute ihr stumm nach, dann plötzlich sagte sie: »Ihr habt ein merkwürdiges Verhältnis.«

»Wir haben überhaupt kein Verhältnis.« Kerstin rollte die Augen. »Ich dachte, das hättest du mittlerweile begriffen. Pat hat es dir deutlich genug gesagt, bevor wir gestern losgefahren sind.«

»Aber ihr seid trotzdem irgendwie . . . verbunden«, stellte Andrea fest. »Das merkt man.«

»Ja, sind wir.« Kerstin beugte sich zu ihr und suchte ihren Blick mit ihrem eigenen. »Wir sind Freundinnen. Platonische Freundinnen jetzt, aber wir haben einiges miteinander erlebt. Pat hat mir Afrika gezeigt. Sie hat mich überhaupt erst nach Afrika gebracht. Von allein wäre ich wohl kaum auf den Gedanken gekommen.« Sie hauchte einen Kuss auf Andreas Lippen. »Aber ich bin sehr froh, dass sie mich auf den Gedanken gebracht hat. Das hat so vieles in Gang gesetzt, und deshalb sind wir beide jetzt hier. Zusammen.« Sie lächelte mit warmer Zärtlichkeit. »Was mich sehr glücklich macht.«

Andrea verzog das Gesicht. »Ich kann irgendwie nichts mit ihr anfangen. Ich weiß nicht, was du an ihr findest.«

Mit einem fröhlichen Lachen warf Kerstin den Kopf zurück. »Du bist eifersüchtig!« Erneut beugte sie sich vor und küsste Andrea diesmal etwas länger auf den Mund. »Das finde ich süß«, flüsterte sie. »Sehr, sehr süß.« Ihre Augen blitzten vor Vergnügen.

Andrea wirkte nicht so vergnügt. »Es ist so einfach, wenn wir zusammen sind«, sagte sie. »Aber mit dem allen hier . . .« Sie machte eine Armbewegung, die den ganzen Saal umfasste, vielleicht sogar ganz Afrika. »Ich wäre lieber mit dir allein.«

Kerstin stand auf. »Wie Pat schon sagte: noch ist nicht Weihnachten. So liebend gern ich auch den ganzen Tag mit dir im Bett verbringen möchte«, sie merkte, wie ihr ganzer Körper kribbelte bei der Vorstellung, »ich muss noch arbeiten.« Entschuldigend verzog sie das Gesicht. »Jetzt vor den Feiertagen sogar noch mehr als sonst. Ich muss an allen Ecken und Enden aushelfen, weil viele Leute dem kalten Europa entfliehen und Weihnachten in der Sonne verbringen wollen. Wir haben eine Menge Reservierungen und viel zu wenig Personal.«

»Weihnachten in der Sonne . . .«, wiederholte Andrea nachdenklich. »Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen. Auch wenn es nicht immer Schnee gibt, aber zu Weihnachten gehört doch irgendwie Kälte.«

»Hier nicht.« Kerstin lächelte und beugte sich zu Andrea hinunter. »Du wirst dich daran gewöhnen müssen, Weihnachten bei fünfunddreißig Grad zu feiern. Oder sogar vierzig.«

»Bist du sicher? Nur vierzig?« Auf einmal schien Andrea entspannter. »Mir kam es jetzt schon viel heißer vor.« Sie lächelte auf eine Art verschmitzt, die Kerstin lange nicht an ihr gesehen hatte.

Kerstin umarmte sie. »Vielleicht ist es manchmal selbst dafür zu heiß, hast du darüber schon mal nachgedacht?«

»Ist das ein Erfahrungswert?«, fragte Andrea zurück, als Kerstin sich von ihr löste.

»Wir müssen alle unsere Erfahrungen machen«, erwiderte Kerstin vage, aber mit einem belustigten Blinken in den Augen.

Andrea schüttelte den Kopf, lächelte jedoch. »Ich glaube kaum, dass du Pat bei den Touristinnen Konkurrenz machst. So sehr hast du dich doch nicht verändert.«

»Du lässt mir aber auch kein Vergnügen.« Nun grinste Kerstin und trat einen Schritt zurück. »Bis später. Ich muss los. Wenn du was brauchst, frag an der Rezeption oder ruf mich an. Das Handy habe ich immer dabei, selbst wenn ich irgendwo draußen auf dem Gelände unterwegs bin.«

Andrea hob die Hand. »Jetzt weiß ich, wie du dich gefühlt hast, wenn ich zur Arbeit musste.«

»Geschieht dir recht«, entgegnete Kerstin lachend. »Aber . . .«, sie beugte sich noch einmal hinunter, »nach Feierabend bin ich ganz für dich da.« Ein letzter Kuss, und sie schwebte fast davon.

Man sah ihr an, wie gut es ihr ging.

Andrea blickte ihr nach und stand dann auf, um in ihren Bungalow zurückzukehren. Dort nahm sie ihr Handy aus der Tasche und tätigte einen Anruf.

Danach begab sie sich hinunter zur Einfahrt und wartete dort, bis ein weißer Bakkie kam, staubbedeckt und sichtlich schon in die Jahre gekommen, und sie mitnahm.


»Hast du Andrea gesehen?«, fragte Kerstin Pat, als sie sie auf dem Weg zum Mittagessen traf. »Ich war in ihrem Bungalow, aber sie scheint nicht da zu sein. War sie mit dir auf dem Game Drive?«

»Weder Game Drive noch Privatsafari.« Pat grinste leicht. »Falls du das vermutest.«

»Du bist nicht ihr Typ. Und soweit ich mich erinnere, ist es umgekehrt genauso«, erwiderte Kerstin schmunzelnd. »In dieser Richtung habe ich keine Befürchtungen. Außerdem kenne ich Andrea. Sie war noch nie leichtfertig. An kurzfristigen Beziehungen liegt ihr nichts.« Sie schaute sich um. »Wo sie nur ist . . .«, murmelte sie zu sich selbst.

»Hast du versucht sie anzurufen?«, fragte Pat.

»Noch nicht.« Kerstin zuckte die Schultern. »Ich hatte so viel zu tun, dass ich direkt zu ihrem Bungalow gegangen bin, als ich endlich ein bisschen Luft hatte.«

Sie betraten das Restaurant und setzten sich an einen Tisch. Kerstin wählte Andreas Nummer, aber eine unpersönliche Ansagerstimme teilte ihr mit, dass der Teilnehmer nicht erreichbar sei.

»Wahrscheinlich hat sie kein Netz«, sagte Kerstin seufzend und beendete den Versuch.

»Wenn sie hier in der Nähe wäre, müsste sie eins haben«, bemerkte Pat.

»Sie kann nirgendwo sein als hier in der Nähe.« Kerstin runzelte die Stirn. »Sie hat kein Auto, sie kennt sich nicht aus. Wo sollte sie hingehen?«

3

Ich habe bei der NGO angerufen, um mir alles zeigen zu lassen«, sagte Andrea, als sie kurz vor Sonnenuntergang zurückkam. »Und als ich da war, fragten sie mich, ob ich bei einer Projektbesprechung dabei sein wollte, so als Vorbereitung auf meinen Einstieg.«

Kerstin rollte die Augen. »Und da konntest du natürlich nicht nein sagen.«

»Warum sollte ich?« Andrea blickte sie unschuldig an. »Du warst beschäftigt, und ich hatte nichts zu tun.«

»Ich habe versucht dich anzurufen«, sagte Kerstin. »Aber ich bekam immer nur ein nicht erreichbar

»Sie haben mir eine neue Nummer gegeben.« Andrea nahm ihr Handy und tippte kurz. Gleich darauf wurde auf Kerstins Handy eine SMS gemeldet. »Eine südafrikanische Nummer. Die deutsche Nummer gilt nicht mehr.«

»Diese SMS vor ein paar Stunden wäre nett gewesen«, bemerkte Kerstin säuerlich. »Ich habe mir Sorgen gemacht, als du nirgends zu finden warst. Du hättest ja auch in den Busch gelaufen und von einem Löwen gefressen worden sein können.«

»Entschuldige.« Andrea verzog das Gesicht. »Es war so aufregend. All die neuen Dinge . . . Ich habe wirklich nicht daran gedacht. Du sagtest ja auch, dass du keine Zeit haben würdest, und du weißt . . .«, sie lächelte etwas schief, »dass ich kein Typ zum Herumsitzen bin.«

Es war süß, wie verlegen sie aussah, und Kerstin konnte ihr nicht länger böse sein. »Na gut«, nickte sie. »Aber nächstes Mal sag mir bitte Bescheid. Afrika ist nicht Europa. Hier lauern eine Menge Gefahren.«

Andrea lächelte. »Ich bin es noch nicht wieder gewöhnt, dass sich jemand Sorgen um mich macht.«

»Dann gewöhn dich dran.« Kerstin stupste sie auf die Brust. »Solange du ein Frischling in Afrika bist, fühle ich mich für dich verantwortlich.«

»Das bin ich auch noch nicht so richtig gewöhnt«, sagte Andrea.

»Was? Dass ich mich für dich verantwortlich fühle?« Kerstin hob die Augenbrauen.

»Auch.« Andrea zuckte die Schultern. »Aber vor allem, dass ich so ein Frischling bin, wie du sagst. Das Gefühl hatte ich schon seit Jahren nicht mehr. Seit vielen Jahren.«

Kerstin lächelte und nahm Andreas Hand. »Gib’s zu. Es ist kein so schlechtes Gefühl, wie du dachtest.«

Andrea zog sie zu sich heran und umarmte sie. »Es ist ein tolles Gefühl, weil du bei mir bist. Sonst wäre ich wohl nicht so begeistert. Ich hasse Veränderungen.«

»Ich weiß.« Kerstin schmunzelte und atmete Andreas Duft tief ein, der sich mit dem Duft der Savanne vermischte. »Deshalb rechne ich es dir noch höher an, dass du hier bist. Es muss dich viel Überwindung gekostet haben.«

»Nicht mehr, seit . . .«, Andrea schluckte, »seit ich wieder nach Deutschland geflogen war. Seit ich dachte, wir würden uns nie mehr wiedersehen. Das war das allerschrecklichste Gefühl. Mit der Zeit erschien mir die Veränderung dann immer weniger schrecklich.«

»Da bin ich aber froh!« Kerstin lachte. Dann löste sie sich von Andrea. »Bald ist Abendessen. Vielleicht sollten wir vorher noch duschen.« Sie schnippte gegen Andreas Bluse, und Staub flog in die Luft wie ein kleiner Sandsturm. »Du warst anscheinend viel draußen. Und ich auch.«

»Getrennt?«, fragte Andrea.

Schmunzelnd schaute Kerstin sie an. »Kommt drauf an, wie hungrig du bist. Wenn wir zusammen duschen, wird es wohl nichts mit dem Abendessen.«

Andreas Augen flackerten etwas. »Ich glaube, ich habe gar keinen Hunger mehr.«

Kerstin spürte das warme Gefühl in sich, das sie nun so oft mit Andrea verband. »An deinen Bedürfnissen in dieser Hinsicht hat sich eine Menge geändert.« Ihre Stimme klang rau.

»Ich habe mich nur wieder erinnert«, erwiderte Andrea zärtlich lächelnd. »Wie es am Anfang war. Und das hier ist ein neuer Anfang für uns. Hoffe ich«, endete sie etwas zweifelnd.

»Das hoffe ich auch.« Kerstin betrachtete Andreas sinnlichen Mund und sehnte sich sehr danach, ihn zu küssen. »Wenn das hier eine Erinnerung an den Anfang ist, bin ich sehr damit einverstanden.«

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